Komiker Ralf Schmitz im Interview: „Das bin ich, nur in Potenz“

Privat langsamer unterwegs: Der hyperaktive Komiker Ralf Schmitz gastiert am 14. April in Baunatal. Foto: Konzertbüro Schoneberg/nh

Ralf Schmitz erbt ein renovierungsbedürftiges Haus. Der Komiker ist kein Handwerker, also holt er sich Hilfe. Genug Stoff für Schmitz’ Programm „Aus dem Häuschen“, mit dem er am 14. April in Baunatal auftritt.

Herr Schmitz, sind Sie nach den Pannen und Tücken, die Sie beobachtet haben, ein besserer Handwerker geworden?

Ralf Schmitz: Nein, ich bin total ungeduldig. Ich weiß jetzt, wie es ungefähr geht, aber selber machen kann ich immer noch nicht viel. Ich bin gleichzeitig ungeduldig und perfektionistisch. Das passt nicht gut zusammen. Ich mache zum sechsten Mal die Fuge neu und das ist dann immer noch nicht so, dass mir das gefällt. Dann zertrümmere ich wieder alles und hole mir doch Hilfe - also richtige Handwerker.

Aber Ihre Handwerker kriegen doch alle ihr Fett weg?

Schmitz: Es gibt wunderbare Handwerker, das ist wichtig zu sagen. Aber es gibt auch solche, die mauern die Mauer auf der falschen Etage. Das ist tatsächlich passiert. Wenn man dabeisteht und das sieht, ist das unfassbar lustig, aber eben auch unfassbar. Das musste ich auf die Bühne bringen.

Wenn Sie nicht Komiker geworden wären, was für ein Handwerker wären Sie heute?

Schmitz: Elektriker finde ich spannend. Gerade weil die Digitalisierung fortschreitet. Da wird ja alles vernetzt, da bin ich sehr affin. Das würde mich reizen, zumindest im Moment. Schreiner finde ich auch ganz gut, weil ich gern mit Holz arbeite. Aber Elektriker finde ich richtig klasse.

Ihr Haus ist inzwischen aber bewohnbar?

Schmitz: Das Lustige ist, dass ich in dem Haus, über das ich rede, gar nicht selbst wohne. Das war zwar mal so geplant, hat sich dann aber anders ergeben. Ich bin spontan woanders hingezogen. Aber ja, in dem Haus wohnen Menschen.

Was war Ihr Lieblingsspruch auf der Baustelle?

Schmitz: „Wir sind morgen wieder da.“ Das stimmt nämlich nicht. Oder: „Das war vorher schon kaputt.“ Aber der größte Spruch kam, wenn es um Rechnungen ging und man über den Preis sagte: „Das ist aber recht üppig.“ Da hieß es dann: „Wieso, das ist doch schon der Freundschaftspreis!“ Das war natürlich völliger Quatsch, aber großartig.

Im Grunde sind das ja Klischees, die man immer hört.

Schmitz: Das Verrückte ist, dass sie wahr sind. Wenn man selber daneben steht und hört, dass der Handwerker genau das sagt, was man eigentlich nur vom Hörensagen kennt.

Vieles in Ihrem Programm ist Improvisation. Gibt es da Dinge, über die man nicht lachen darf?

Schmitz: Bei mir ist die Grenze relativ einfach gezogen. Wenn es gegen Menschen persönlich geht, man sich also über eine schiefe Nase oder eine Frisur lustig macht. Es sei denn, der Mensch selber macht es. Ich würde nie über irgendwelche Menschen herziehen. Es sei denn, jemand macht sich über mich lustig.

Auf der Bühne sind Sie ein Zappelphillipp. Braucht man da noch Sport?

Schmitz: Doch, als Ausgleich. Trainieren, Inline skaten, Fahrrad fahren, schwimmen - wenn ich denn Zeit habe. Manchmal gehe ich auch spazieren, ganz langweilig wie Oma und Opa.

Sie sind also privat genau so unter Strom?

Schmitz: So wie auf der Bühne wäre fatal. Dann würde mich ja keiner mehr besuchen. Zuhause bin ich langsamer unterwegs, das Phlegma habe ich aber nicht erfunden. Das auf der Bühne bin immer noch ich. Nur in Potenz. Ralf Schmitz tritt am 14. April mit „Aus dem Häuschen“ in der Stadthalle Baunatal auf. HNA-Kartenservice, Tel. 0561/ 203-204.

Zur Person

Ralf Schmitz ist ein deutscher Komiker, Schauspieler und Moderator. Bekannt wurde der gebürtige Leverkusener durch die Comedyshow „Die dreisten Drei“ (ab 2003). Ein Jahr später spielte er in der Komödie „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ den Zwerg Sunny und improvisierte in der Show „Schillerstraße“. Dafür erhielt Schmitz 2005 den Deutschen Comedypreis. Schmitz tourt seit zehn Jahren als Solokünstler durch Deutschland. Der 41-Jährige lebt in Köln, über sein Privatleben macht er keine Angaben.

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