Musiker Cris Cosmo über seinen Anti-Facebook-Song und die Vorzüge deutscher Spießigkeit

Der deutsche Manu Chao: Cris Cosmo im HNA-Interview 

Auch wenn das hier nicht der Strand von Ipanema ist: Sänger und Gitarrist Cris Cosmo bringt mit seinen fluffigen Songs brasilianische Lässigkeit nach Deutschland. Foto: Schwengel/nh

Cris Cosmo gilt als deutscher Manu Chao: Der Musiker aus dem Kraichgau singt zu Reggae und lateinamerikanischen Klängen deutsche Texte über die multikulturelle Gesellschaft. Wir sprachen mit dem 34-Jährigen vor seinem morgigen Auftritt im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof.

Ihr größter Hit heißt „Scheiß auf Facebook“. Sind soziale Netzwerke wirklich blöd? Sie haben immerhin 5000 Facebook-Freunde.

Cris Cosmo: Nein, Netzwerke sind sogar ziemlich genial. Aber es ist schwierig, eine Balance zu finden. Viele verschwenden zu viel Zeit bei Facebook und Co. Man muss lernen, wie man richtig damit umgeht. Die neuen Techniken sollten kein Meister sein, sondern ein Diener für das reale Leben. Mit dem Lied haben wir einen Nerv getroffen. Viele sind genervt von der ständigen Verfügbarkeit und der Infoflut. Andere fühlten sich beleidigt und wollten mich sogar hängen sehen. Das war ein richtiger Shitstorm.

Könnten Sie als Musiker auch ohne das Internet leben?

Cosmo: Vielleicht schon, aber ich möchte es nicht mehr missen. Das Internet ist für mich ein Segen. Über Facebook finde ich immer wieder neue Musik und kriege mit, was sich unter Künstlerkollegen abspielt. Auch einen Großteil des Band-Alltags koordinieren wir übers Internet wie das Buchen von Konzerten. Vorher war das alles langwieriger und teurer.

Sehen Sie sich als politischen Liedermacher?

Cosmo: Nein, bei dem Begriff denke ich eher an Leute wie Hannes Wader, die auch cool waren. Ich versuche, mehr sozial als politisch zu sein. Bei mir geht es eher um den Menschen als um das System, das gestürzt werden soll.

Sie sind oft in Südamerika. Haben Sie schon mal daran gedacht auszuwandern?

Cosmo: In der Tat gab es eine Zeit, in der ich nach Brasilien gehen wollte. Ich war lange nicht glücklich in Deutschland, das ich spießig und langweilig fand. Als ich im Ausland war, habe ich jedoch den Frieden und die Weltoffenheit meiner Heimat schätzen gelernt. Ich kann mir keinen tolleren Platz mehr vorstellen.

Cris Cosmo spielt am morgigen Freitag, 21 Uhr, mit den Schnittern im Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 10-12. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Cris Cosmo bei Radio HNA: Freitag, 17 Uhr, sowie am 6. Juni, 22 Uhr, in der „Heimatmelodie“.

Von Matthias Lohr

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