"Das ist kein Trash"

Interview: Jonas Schubert von OK Kid über den Bundesvision Song Contest

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Gehen beim Bundesvision Song Contest mit ihrem Lied „Unterwasserliebe“ für Hessen an den Start: Die aus Gießen stammende Band OK Kid mit (von links) Raffael Kühle, Jonas Schubert und Moritz Rech.

Kassel/Göttingen. Das Trio OK Kid  könnte bereits die zweite Band aus Gießen sein, die Stefan Raabs  Bundesvision Song Contest gewinnt. Am Samstag treten die Musiker mit ihrer coolen Mischung aus Indierock, HipHop und Elektronik in der Göttinger Lokhalle an.

Die erste Auflage 2005 des Bundesvision Song Contests hatten Juli mit „Geile Zeit“ gewonnen, die ihren Proberaum einst neben den Musikern von OK Kid hatten. Wir sprachen mit Sänger Jonas Schubert  (31).

Christian Ulmen hat Ihren Song „Kaffe warm“ als Titeltrack für seine viel gelobte neue Webserie „Mann/Frau“ im BR ausgewählt. Wie ist es, sein eigenes Lied im Fernsehen zu hören? 

Jonas Schubert: Das hat uns sehr gefreut, weil Ulmen den Song selbst ausgesucht hat. Man muss ja immer schauen, in welchem Kontext so ein Lied läuft. Ich habe unsere Musik auch schon mal zu schäbigen Bikini-Models auf RTL 2 gehört. Da passt sie weniger hin.

Am Samstag können Sie Ihre Musik bei Pro 7 vor einem Millionenpublikum vorstellen. Wieso ist der Song Contest für eine Band wie OK Kid wichtig? 

Der Bundesvision Song Contest

Zum zehnten Mal veranstalten Stefan Raab und Pro 7 den Bundesvision Song Contest, der am Samstag (20.15 Uhr) in der Göttinger Lokhalle stattfindet und live übertragen wird. Im Vorjahr hatte Bosse für Niedersachsen gewonnen. Den Sieger bestimmen die Zuschauer per Anruf und SMS.

Die Teilnehmer: 

Bayern: Andreas Bourani („Auf anderen Wegen“)

Baden-Württemberg: Max Mutzke („Charlotte“)

Berlin: Miss Platnum („Hüftgold“)

Brandenburg: Kitty Kat („Hochhaus“)

Bremen: Revolverheld („Lass uns gehen“)

Hamburg: Nico Suave feat. Flo Mega („Gedicht“)

Hessen: OK Kid („Unterwasserliebe“)

Mecklenburg-Vorpommern: Marteria („Mein Rostock")

Niedersachsen: Sierra Kidd („20 000 Rosen“)

Nordrhein-Westfalen: Maxim („Alles versucht“)

Rheinland-Pfalz: Jupiter Jones ("Plötzlich hält die Welt an")

Saarland: Inglebirds („Getti“)

Sachsen: Sebastian Hackel („Warum sie lacht“)

Sachsen-Anhalt: Teesy („Keine Rosen“)

Schleswig-Holstein: Tonbandgerät („Alles geht“)

Thüringen: Duerer („Was gestern war“)

Schubert: Eigentlich sind wir keine Fans davon, Musik einer Bewertung zu unterstellen. Das Besondere am Song Contest ist, dass wir unsere Musik einer breiten Öffentlichkeit vorstellen können. Man erreicht Leute, die man sonst nicht erreicht. Zudem sind viele Künstler dabei, die wir selbst schätzen. Es ist keine Trash-Veranstaltung. Da wollen wir dann natürlich trotzdem so weit vorn wie möglich landen.

Auffällig ist, dass dieses Jahr viele Acts mit HipHop-Hintergrund im Wettbewerb sind. Ist Rap die wichtigste popkulturelle Jugendbewegung? 

Schubert: Das ist schwierig. Auf jeden Fall erleben wir gerade die stärkste Phase, die es im deutschen Rap jemals gab. Es gibt so viele unterschiedliche Ebenen. Von hartem Unterhaltungsrap wie Kollegah bis zu weich gespültem Pop-Rap ist alles da und wird sogar im Radio gespielt. Das freut mich, weil wir mit dieser Jugendkultur groß geworden sind. Anderseits kommen nun ganz viele große Plattenfirmen und suchen nach dem nächsten Cro. Ich weiß nicht, ob das gut für die Qualität ist. Vielleicht platzt die Blase bald.

Kritiker schreiben, OK Kid könnten den Sound einer Generation prägen, jener um 1980 Geborenen, die gut ausgebildet sind, denen die Welt offen steht, die aber fragen, ob es nicht etwas Wichtigeres als Karriere gibt.

Schubert: Das sind Floskeln, die toll klingen und mit denen ein Journalist wunderbar auf seinen Artikel aufmerksam machen kann. Aber ich würde niemals davon reden, für eine Generation zu sprechen. Mit meinen Texten beschreibe ich nur, wie ich lebe und mein Umfeld wahrnehme. Viele meiner Freunde sind um die 30 und wollen es ruhiger angehen lassen. Bei Managern kommt das erst mit 50. Wir sagen das jetzt schon und haben noch gar nichts Herausragendes erreicht. Viele sind auch mit der Optionsvielfalt nicht klargekommen. Gehe ich studieren, mach ich mich selbstständig, bekomme ich jetzt schon Kinder? Das sind elitäre Luxusprobleme, aber davon handeln unsere Songs.

Die Gießener singen sogar Ihren Hit „Stadt ohne Meer“ mit, in dem Sie die Stadt als hässliche, aber liebenswerte Betonburg besingen.

Schubert: Das Lied ist als Hymne voll angenommen worden. Die Stadt hat sogar die Zeile „Du riechst immer noch nach gestern. Nicht gewaschen, nicht poliert, ohne Glanz und ohne Stil, doch ich will dich nicht verbessern“ in einem offiziellen Buch zur Landesgartenschau abgedruckt.

Von Matthias Lohr 

Hier die Spotify-Playlist zum Song Contest

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