Interview: Woody Allen über seinen Film „Midnight in Paris“ mit Präsidentengattin Carla Bruni

„Das Leben ist unbefriedigend“ - Woody Allen im Interview

Alle Jahre wieder, ein neuer Woody Allen. In seinem 42. Film „Midnight in Paris“ beschäftigt sich der 75-jährige Komiker mit seinem Lieblingsthema: Dem (Un-)Sinn des Lebens. Dazu schickt er diesmal seinen Helden in Paris auf eine Zeitreise. Dabei begegnet er Picasso, Dalí und Luis Buñuel - um schließlich festzustellen, dass früher auch nicht alles besser war.

Als medienwirksames Sahnehäubchen tritt in einer Nebenrolle Frankreichs Präsidentengattin Carla Bruni als Museumsführerin auf. Wir sprachen mit Woody Allen.

Ihr neuer Film wirkt hoffnungsvoll, werden Sie auf Ihre alten Tage optimistisch?

Woody Allen: Ich bin nie hoffnungsvoll. Ich weiß, dass viele meinen neuen Film optimistisch finden - aber wenn man unter die Oberfläche blickt, ist das alles doch ganz und gar nicht optimistisch. Schließlich handelt die Geschichte von einem Mann, der glaubt, dass er in einer früheren Zeit glücklicher leben würde als heute. Als er die Gelegenheit dazu bekommt, muss er feststellen, dass damals die Dinge auch nicht besser waren als heute. Das Leben ist einfach unbefriedigend.

Immerhin geht es diesmal romantisch bei Ihnen zu ...

Allen: Stimmt, der Film besitzt eine romantische Patina - aber darunter liegt die Botschaft von Schwermut und Düsterkeit, die ich jedes Jahr in jedem Film mit mir herumtrage.

Wie kamen Sie auf diese Film-Idee einer Zeitreise?

Allen: Am Anfang hatte ich lediglich diesen Titel „Midnight in Paris“ und keine Ahnung, worum es gehen sollte. Plötzlich bekam ich diese Idee, dass es den Helden auf eine Party in den 20er-Jahren verschlagen könnte. Auf einmal war alles ganz einfach, denn im Paris der 20er-Jahre hatte ich Figuren wie Hemingway, Picasso und Dalí.

Sie lassen die historische Figur Gertrude Stein im Film einmal sagen, dass die Rolle des Künstlers nicht darin liege, die Verzweiflung zu suchen, sondern die Hoffnung.

Allen: Für Gertrude Stein ist es die Aufgabe der Kunst, den Menschen einen Sinn im Leben zu vermitteln - aber diese Meinung teile ich nicht. Für mich liegt die Aufgabe des Künstlers in der Ablenkung. Wahre Künstler wie Mozart, Da Vinci oder Hemingway haben die Menschen abgelenkt und unterhalten. Im Grunde machen sie dasselbe wie die Reality-Shows im Fernsehen - nur eben viel intelligenter.

Wie verliefen die Dreharbeiten mit Präsidentengattin Carla Bruni?

Allen: Die Medien haben sich ja überschlagen mit erfundenen Geschichten. Dass es Probleme zwischen uns gab oder viele Szenen oft wiederholt werden mussten - das ist alles Quatsch. Wir haben uns bestens verstanden, ich habe nie daran gedacht, sie zu ersetzen und habe keine Szenen herausgeschnitten. Carla spielte punktgenau, und sie war ein echtes Vergnügen.

Wie kam die Première Dame überhaupt in Ihren Film?

Allen: Ich war mit meiner Frau zum Frühstück bei den Sarkozys im Elysée-Palast eingeladen. Als Carla den Raum betrat, war ich von ihrer Schönheit und ihrem Charisma wie geblendet. Da kam mir spontan die Idee, sie zu besetzten, schließlich hat sie als Model und Sängerin reichlich Erfahrung im Umgang mit Kameras. Als ich sie fragte, meinte sie: „Das mache ich gern für meine Enkelkinder.“

Von Dieter Osswald

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.