Eva Schulz-Jander gibt Geschäftsführung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ab

„Das ist meine eigene Geschichte“

Bleibt ihrer Lebensaufgabe treu: Eva Schulz-Jander. Foto: nh

Kassel. In gewisser Weise vereint Dr. Eva Schulz-Jander das Wirken der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (CJZ) in ihrer Person. Denn als in Breslau geborene Tochter eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter hat sie - in unterschiedlichen Phasen ihrer Schulzeit - sowohl eine jüdisch als auch eine katholisch geprägte Erziehung genossen.

Eva Schulz-Jander ist seit 2004 katholische Präsidentin des deutschen Koordinierungsrates der CJZ-Gesellschaften, dessen Führung immer von je einem katholischen, einem evangelischen und einem jüdischen Vertreter gebildet wird. Und sie war bis vor wenigen Tagen die Geschäftsführerin der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Kassel, die in diesem Jahr Gastgeberin der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit war.

Das Amt als Geschäftsführerin hatte Eva Schulz-Jander 22 Jahre lang inne. Dass die Gesellschaft aus dem Kasseler Kulturleben nicht wegzudenken ist, ist zu einem erheblichen Teil ihr Verdienst. Nun stehe ein Generationswechsel an, sagt sie. Neben den drei Kasseler Vorsitzenden Renate Pfromm (jüdisch), Martin Nitsche (katholisch) und Eveline Valtink (evangelisch) soll ein Beraterkreis die Arbeit der Gesellschaft weiterentwickeln.

Dass Eva Schulz-Jander aber in ihrem Engagement nachlässt, auch wenn sie jetzt einen Schritt zurücktritt, ist nicht zu befürchten. Denn die Arbeit für die Gesellschaft, die der Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden, vor allem aber der Neugestaltung und Weiterentwicklung jüdischen Lebens in Deutschland dient, ist untrennbar mit ihrem persönlichen Leben verbunden. „Dies ist meine Geschichte“, sagt die 77-Jährige, deren Großmutter im KZ Theresienstadt ums Leben kam. Und diese existenzielle Beteiligung strahlt sie stets aus.

Dass sie die katholische und nicht die jüdische Seite in der christlich-jüdischen Gesellschaft vertritt, erscheint eher zufällig, wenn sie von den Wechselfällen ihres Lebens spricht. Nach der Emigration der Familie in die USA und dem Studium der Romanistik, Germanistik und Philosophie in den USA und Frankreich kehrte sie 1967 nach Deutschland zurück und arbeitete als Dozentin an der Kasseler Volkshochschule wie auch an der Universität.

Ihre Herangehensweise sei weniger theologisch als vielmehr literarisch begründet, sagt Eva Schulz-Jander über ihre Arbeit in der christlich-jüdischen Gesellschaft. Sicher ist sie auch gesellschaftspolitisch motiviert. Denn die Ehefrau des emeritierten Maschinenbau--Professors Dr. Burkhard Schulz-Jander, deren zwei erwachsene Kinder in den USA und in Botswana leben, ist eine wache und kritische Zeitgenossin. Und sie erwähnt auch, dass die christlich-jüdische Gesellschaft ihre Wurzeln in den USA als Organisation gegen Diskriminierung hatte.

Leben und Lebensaufgabe, in dieser Übereinstimmung bleibt Eva Schulz-Jander weiter aktiv.

Von Werner Fritsch

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