Buch der Wörter in der Grimmwelt: „Das schlagende Herz“

Wandhohe Projektion: Einträge aus dem Deutschen Wörterbuch sind in einem Extra-Raum an drei Wänden zu sehen. Grimmwelt-Leiterin Susanne Völker und Künstler Ecke Bonk betrachten die noch nicht fertig eingerichtete Installation. Fotos: Koch

Ecke Bonks documenta-Kunstwerk „Buch der Wörter" ist in der Kasseler Grimmwelt installiert

Kassel. „Ausschumpeln ... Ausschumpieren ... Ausschuppen ... Ausschüren ...“. Wer die Kasseler Grimmwelt auf dem Weinberg betritt, den empfängt schon im Foyer eine einzigartige Installation: Ecke Bonks Kunstwerk „Buch der Wörter / Book of Words: Random Reading“. An eine Wand werden Stichworte aus dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm projiziert, „endlose Liste“ nennt der Künstler diese Abfolge von durchlaufenden Wörterbucheinträgen. „Die Arbeit begleitet jeden Besucher, wer hineingeht, nimmt die einen Wörter mit, wer hinausgeht, andere.“ Das Haus wird am 4. September eröffnet.

Auf einer langen Wand: Die Titelblätter der Teilausgaben.

Zwei weitere Teile seines Kunstwerks, das 2002 zur Documenta11 entstanden ist, sind in der eigentlichen Austellung zu sehen: Es gibt eine Wand, auf der die gerahmten Titelblätter der einzelnen Wörterbuchlieferungen (Teilausgaben) hängen, und es gibt einen Raum, wo an drei Wände die eigentlichen Einträge des Wörterbuchs projiziert werden. Per Zufallsgenerator werden diese ausgespielt. Eine Quellenangabe (Band, Spalte, Zeile) macht deutlich, wo im Mega-Werk man sich gerade befindet. Bonk (62) bezeichnet die Arbeit als „das schlagende Herz der Grimmwelt“. Die Stadt hatte sie mit Unterstützung des Kasseler Kali- und Salzproduzenten K + S angekauft, damals waren 140.000 Euro ausgegeben worden. Bei K + S war das Werk über Jahre eingelagert, während man verschiedene Standorte für eine dauerhafte Präsentation erwogen und wieder verworfen hatte.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der von einem „ganz außerordentlichen Kunstwerk“ sprach, und K+S-Vorstandsvorsitzender Norbert Steiner erinnerten bei der Vorstellung des neu eingerichteten Werks in der Grimmwelt daran. Steiner: „Wir freuen uns sehr, dass es mit der Grimmwelt dafür nun einen so beeindruckenden Ausstellungsort gibt.“

Im Foyer: Auf einer Wand im Treppenhaus läuft eine Liste mit Wörterbuch-Begriffen.

Bonk berichtete, dass ohne die Digitalisierung des kompletten Wörterbuchs an der Uni Trier und ohne die Online-Auktionsbörse Ebay das Projekt kaum möglich gewesen wäre. Er habe es anfangs unterschätzt, wie schwierig es ist, an die Original-Teilausgaben zu kommen, „eine Schnitzeljagd“. Eine Ausgabe fehlt ihm noch, der Band „Schaudergrauen bis Schellen“.

Sein Ansporn für das Projekt war zu zeigen, dass die Sprache größer ist als ein einzelnes Menschenleben, in welchem man vielleicht einen aktiven Wortschatz von 7000 Begriffen benutze - minimal im Verhältnis zu den knapp 320 000 Wörterbuch-Einträgen. Ihm sei Jacob Grimms Satz „Die Sprache ist allen bekannt und ein Geheimnis“ Leitmotiv gewesen.

Das Zusammenspiel von neuem Haus und „Buch der Wörter“ nennt Grimmwelt-Leiterin Susanne Völker „perfekter Ort für die Arbeit, perfekte Arbeit für den Ort.“

Zahl des Tages 

Über 318.000 Einträge umfasst das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm, zitiert wird aus über 20.000 Quellen. Ecke Bonk hat ausgerechnet: Wenn sich jemand die komplette Arbeit im von ihm gewählten Projektionsmodus ansehen würde, bräuchte er bei 24 Stunden am Tag dafür insgesamt 72 Jahre.

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