Interview: Karsten Hohage hat ein lesenswertes Buch über Studentenverbindungen geschrieben

„Das sind ganz normale Typen“

Verbindungsstudenten haben einen schlechten Ruf. Der Alte Herr einer nicht näher bekannten Sängerschaft, Karsten Hohage, hat jetzt einen lustigen und erhellenden Erlebnisbericht aus seiner Aktivenzeit geschrieben. In seinem Buch berichtet er lebhaft, wie er in eine spezielle Männer-WG einzog, das Akademische Fechten erlernte und warum das alles gar nicht so schlimm war.

Warum sollte man im 21. Jahrhundert noch in eine Studentenverbindung eintreten?

Karsten Hohage: Weil man Lust drauf hat. Für mich persönlich standen die sozialen Kontakte im Vordergrund.

Sind Verbindungen nicht ein Anachronismus?

Hohage: Na ja, also den Verbindungen geht es so wie den Vereinen, Kirchen oder Parteien. Die Mitgliederzahlen gehen zurück, weil sich viele den Regeln nicht mehr unterwerfen wollen.

Sie haben ein Buch verfasst, in dem Waffenstudenten als ganz normale Typen rüberkommen. Politisch korrekt ist das doch nicht.

Hohage: Das sind aber tatsächlich ganz normale Typen, zumindest die, die ich kennengelernt habe. Na gut, abgesehen von der Tatsache, dass einige von denen mit rasiermesserscharfen Klingen gelegentlich auf sich eindreschen.

Es gibt dieses Klischee, dass Verbindungsstudenten pauschal der rechtsextremen Szene zugeordnet werden. Wie sehr stört Sie das?

Hohage: Das stört mich sehr, wie alle Pauschalurteile - ganz egal über wen oder was. Wenn man sagt, man ist Verbindungsstudent, erntet man oft Reaktionen wie „Wieso das denn?“. Keiner sagt: „Dann kann das ja gar nicht so schlimm sein.“ Es ist traurig, dass von einer Minderheit auf die Allgemeinheit geschlossen wird.

Wie waren die Reaktionen innerhalb der Korporierten-Szene auf Ihr Buch?

Hohage: Überwiegend positiv. Das Buch hat sich bislang im mittleren vierstelligen Bereich verkauft, vor allem in der Korporierten-Szene. Was zum einen schade ist, denn das Buch ist ja gerade auch für Nicht-Korporierte geeignet. Sonst hätte ich mir 80 Seiten sparen können.

Warum wird in der Öffentlichkeit das heterogene Korporationsleben so wenig differenziert betrachtet?

Hohage: Das ist ein großes Problem. Für 90 Prozent der Nicht-Korporierten sind Verbindungsstudenten pauschal die Burschenschafter. Die machen aber nur einen kleinen Teil des gesamten Korporationswesens aus.

Sie haben auch scharf gefochten. Würden Sie das Akademische Fechten als Ritual, als Tradition oder als Mutprobe sehen?

Hohage: Es ist eine Mischung aus den drei genannten Faktoren. Ich persönlich wollte mir selbst etwas beweisen. Wenn man so lange trainiert, will man ja auch wissen, ob man die Nervenstärke für eine Partie mit scharfen Klingen hat.

Sie haben in Ihrem Buch viele Anekdoten aufgeschrieben. Verraten Sie uns eine, die es nicht ins Buch geschafft hat?

Hohage: In den Achtzigern gab es im Fernsehen noch einen Sendeschluss. Das war ein paar Bundesbrüdern nach einer nicht näher bestimmbaren Biermenge aber nicht mehr klar. Also trugen sie das vermeintlich kaputte Gerät aus dem Keller ins zweite Obergeschoss und warfen es dort nach einer kurzen, aber sehr feierlichen Grabrede aus dem Fenster.

In Ihrem Buch geht es doch viel darum, möglichst schnell möglichst viel Bier zu trinken. Was hat es damit auf sich?

Hohage: Alle Freundschaften beruhen auf einem gemeinsamen Suff – jedenfalls die unter Männern. Das habe ich aber nicht erst als Verbindungsstudent gelernt, und es muss jeder selbst wissen, wie weit er es treiben möchte.

Karsten Hohage: Männer-WG mit Trinkzwang. Rowohlt, 279 Seiten, 9,99 Euro. Wertung: !!!!:

Von Daniel Schneider

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