Starsänger Wolfgang Brendel gibt in Kassel den Hans Sachs

„Das stachelt mich an“

Wolfgang Brendel Foto: nh

Kassel. Wie oft Wolfgang Brendel die Partie des Hans Sachs in Richard Wagners „Meistersingern“ gesungen hat, kann er nur schätzen. „50 bis 70 Mal werden es gewesen sein“, meint er. „Mein Kollege Bernd Weikl führt immer Strichlisten. Ich mache das nicht.“

Doch eine Partie wie jede andere kann der Sachs auch für einen so erfahrenen Sänger wie Brendel nie sein. Immerhin muss er mehr als zwei Stunden singen - die längste Bass-Partie aller Opern. Brendel zitiert da gern einen anderen Kollegen, Theo Adam. Von dem stammt der Satz: „Wer den Sachs anfängt und sagt, er weiß, wie’s ausgeht, der lügt.“

Die Kräfte richtig einzuteilen, darin besteht die Kunst. „Wenn das gelingt, dann hat man die Chance, dass man sich bei der Schlussansprache noch steigern kann“, sagt Brendel. Der Respekt vor einer Partie gehört für ihn zur Professionalität. Auch wenn es eine Paraderolle ist. Wolfgang Brendel, der Münchner von Geburt und Passion, hat die Wagner-Partie in seiner Heimatstadt immer wieder gesungen. Mittlerweile legendär ist aber sein Sachs in der Otto-Schenk-Inszenierung an der Wiener Staatsoper.

„Ich bekam Standing Ovations, und der Intendant erhöhte sofort meine Gage. In der nächsten Spielzeit bekam ich wieder Standing Ovations, aber dann habe ich nie wieder etwas von diesem Mann gehört“, erinnert sich Brendel.

In der Kasseler Inszenierung von Lorenzo Fioroni, die am Samstag Premiere hat, sieht sich Brendel vor einer zusätzlichen Herausforderung. Normalerweise kann Sachs im zweistündigen dritten Akt für einige Augenblicke von der Bühne gehen - „einen Schluck Wasser trinken und einen Blick in die Partitur werfen“. Nicht so in Kassel. Da muss Sachs auf der Bühne bleiben - die Inszenierung verlangt es. Brendel nimmt’s sportlich: „Das stachelt meinen Ehrgeiz an.“

Auch als Starsänger erlaubt sich Brendel keine Allüren gegenüber Regisseuren. Und über Fioroni sagt er schlicht: „Der kann inszenieren.“ Aus jedem Satz spricht bei Brendel die Begeisterung für die Oper: „Wir müssen alles tun, damit die einmalige Theaterlandschaft in Deutschland erhalten bleibt.“ Denn nur wenn die Basis breit ist, kann man auch die Spitze halten, ist sein Credo.

Warum Oper? „Wenn du es richtig machst, dann kannst du als Sänger einer großen Menge von Menschen Freude bereiten“, sagte ihm sein Lehrer. Vor allem, wenn man wie Brendel nicht nur mit der Kehle, sondern auch mit dem Herzen singt. „Schauen Sie den Paul Potts an. Der sieht nicht aus wie ein Star. Aber dann singt er ,Nessun dorma‘, und alle jubeln. Das ist doch toll!“

Wie ist das mit dem Lampenfieber bei einem erfahrenen Sänger? Brendel führt da seinen verstorbenen Kollegen Luciano Pavarotti an. „Der hat vor jeder Vorstellung gelitten. Er hat gejammert: ,Warum tue ich mir das an?‘ Und dann ist er auf die Bühne gegangen - es hat Wamm! gemacht, und er war zu hundert Prozent da.“

Premiere: Samstag, 17 Uhr, Opernhaus. Sieben weitere Vorstellungen. Karten: Tel. 0561/1094-222.

Von Werner Fritsch

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