Das Künstlerduo Vidal & Groth stellt in Willingshausen aus

Das, was vergraben ist

Spuren ins Ungewisse legen: Frederike Vidal (links) und Julia Groth in der Willingshäuser Ausstellung. Archivfoto: Rose

Willingshausen. „Verborgen“ heißt die intelligente Ausstellung des Künstlerpaars Vidal & Groth in der Kunsthalle im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis). Frederike Vidal und Julia Groth, Absolventen der Kasseler Kunsthochschule, die seit 2009 zusammenarbeiten und auch miteinander leben, beschäftigen sich mit dem, was verschlossen, versperrt, verschwunden ist.

Oder vergraben. Zwei Spaten an der Wand stehen dafür. Die Künstlerinnen haben vor einiger Zeit (angeblich) ein Werk in der Erde versenkt, nur Zeugnisse und Spuren der Aktion gibt es noch – etwa die Kopie eines Fotos, eine von allen Beteiligten unterschriebene Verschwiegenheitserklärung.

Manches ist in einer ländlichen Region, wo man Spaten eher im Garten einsetzt, statt sie als Kunstobjekte zu betrachten, sicher sperrig und erklärungsbedürftig. Doch die sorgfältig eingerichtete Ausstellung erschließt sich: Es geht um die Verschiebung des Blicks, um veränderte Perspektiven - auch auf das, was vermeintlich „normal“ ist. Wie ist das etwa mit der Form und Haltung der Füße, deren Gipsabgüsse in einer Vitrine stehen?

Schon den Raum haben die Meisterschülerinnen von Urs Lüthi, die gerade aus Kassel nach Berlin gezogen sind, geschickt umgestaltet, eine Wand anders gesetzt, zwei Vorhänge gezogen (was mag dahinter verborgen sein?) - die Irritation ist augenfällig. In einer Vitrine liegt ein Fundstück vom Flohmarkt, ein Buch des Historikers John Boswell, das den Umgang mit Homosexualität als Geschichte sozialer Toleranz beschreibt. Auch dies ein ungewöhnlicher Blickwinkel. Eine Muschel daneben deutet ergänzend die weibliche Sicht an.

Ein berührendes Exponat liegt unter einer beleuchteten Lupenlampe: ein Urlaubsfoto. Julia Groths Großmutter ging, als sie ihre beginnende Demenz bemerkte, ihre Bilder durch. Auf diese Aufnahme kritzelte sie „vergessen“.

Eine Gesprächsrunde morgen, Samstag, 15 Uhr, in der Ausstellung hat das Thema „Verborgene Geschichte(n)“. Es sollen auch vergessene, verschwiegene Dorfgeschichten erzählt werden.

Bis 16.3., Di-So 14 bis 17 Uhr, Sa/So auch 10-12 Uhr. www.malerkolonie.de, www.willingshausen.de Infos: Tel. 0 66 97/1418.

Von Mark-Christian von Busse

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