Beim Festival „Theaterwahn“ treten ab Freitag fünf Ensembles mit psychoseerfahrenen Darstellern in Kassel auf

„Das vermeintlich Verrückte wird zur Stärke“

Persönliche Geschichten: Theater hArt Times zeigt „Best Song of my life“. Fotos: nh

Kassel. Besondere Theatererlebnisse verspricht das Festival „Theaterwahn“, das vom 9. bis 17. April in Kassel im Dock 4 und im Theater im Fridericianum stattfindet.

Dort treten Schauspielensembles auf, in denen Menschen mit Psychose- und Psychiatrie-Erfahrungen mitwirken.

Eingeladen hat die Kasseler Gruppe Chaosium, die damit auch ihren 20. Geburtstag feiert. „Wer auf der Bühne steht, fühlt sich nicht mehr krank und muss sich nicht verstecken, sondern erlebt Wertschätzung“, sagen die Organisatoren Dirk Radunz, Simone Dieling und Reinhild Alber.

Theaterarbeit stärke die Mitwirkenden und lasse ihren Alltag leichter werden. Trotzdem ist dem Organisationsteam wichtig, dass auf der Bühne kein Unterschied zwischen kranken und gesunden Mitspielern zu sehen ist, dass ihr Festival mit künstlerischem Anspruch gestaltet wurde. „Es geht uns nicht um Behinderten-Freizeitaktivitäten“, sagt Reinhild Alber.

Theater und Wahn passten auch deshalb gut zusammen, sagen die Organisatoren, weil Theater das Extreme sucht und braucht: „Das vermeintlich Verrückte wird zur Stärke.“

Fünf Gruppen mit 90 Teilnehmern und Begleitern werden in Kassel erwartet. Darunter sind die Kasseler Ensembles „Chaosium“ und „Chaosium Dienstagsprojekt“, die mit ihren Stücken „Don Q“ und „Die Reise der Vögel“ auftreten. Aus Prag kommt die Bohnice Theatre Company mit „Naked Life“, einem bildstarken Stück, das auch ohne Tschechisch-Kenntnisse verständlich ist. Das Theater hArt Times aus Hannover erzählt mit „Best Song of my life“ persönliche Geschichten der Menschen auf der Bühne, ohne zu privat zu werden. Die Darsteller gehen dabei von ihren Lieblingsliedern aus. „Kommt noch was“ heißt das Stück der Münsteraner Gruppe Sycorax, die das Thema Arbeitslosigkeit aufgreift.

Im Festivalcafé im Dock 4 soll Austausch möglich sein. „Theaterwahn“ arbeitet mit einem Etat von 38 000 Euro und wird unter anderem unterstützt von Stadt, „Aktion Mensch“, Gerhard-Fieseler- und Erika-Sperber-Stiftung.

Von Bettina Fraschke

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