"Das Volk verlangt nach Spektakel, sonst schaltet es ab" - die Presse über Wetten, dass...?

Schrecken am Samstagabend: Nach dem schrecklichen Unfall bei Wetten, dass...? gerät das ZDF in die Kritik. Der Kandidat war schon bei den Proben gestürzt, der Sender ließ die Wette trotzdem zu - warum? Das sind die Pressestimmen:

„Heilbronner Stimme“ zu Wetten,dass..?

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Natürlich ist es wahr, dass solche Unfälle bei vielen Shows der Privatsender genauso gut hätten passieren können. Und es stimmt, dass sich jeder Mitwirkende immer selbst in Gefahr begibt. Aber das ist letztlich die Reaktion auf ein ewiges Höher, Schneller, Weiter.

Das Volk verlangt nach Spektakel, sonst schaltet es ab. Also erhält es Spektakel auf allen Kanälen. Mit fürchterlichen Konsequenzen wie bei Wetten, dass..?. Der schlimme Unfall sollte dazu führen, dass jeder sein Fernsehverhalten kritisch überdenkt, denn mit qualifizierter Unterhaltung hat so etwas nichts zu tun.

„Main-Post“ (Würzburg)

Müssen ZDF und ARD mit unseren Gebühren sich auf diesen Quotenkampf einlassen? Wurde bei Wetten dass...? nicht meistens derjenige vom Publikum zum Wettkönig gewählt, der die pfiffigere Idee hatte und nicht den spektakulärsten Stunt? Thomas Gottschalk hat am Samstag gar nicht erst versucht, über den Unfall hinwegzumoderieren.

Schwerer Unfall verursacht Abbruch von "Wetten, dass..?"

Die Programmmacher sollten es ihm gleichtun. Denn ihre Unterhaltungssendungen können sich auch im positiven Sinne von so manchen Niederungen des deutschen Fernsehalltags abheben, ohne gleich langweilig zu werden. Was übrigens auch bei den Privaten durchaus gelingt.

„Mindener Tageblatt"

Im Nachhinein ist die Scham von operativ und (in Aufsichtsgremien und Ehrengastsesseln) politisch Verantwortlichen groß, gewiss. Auch beim Zuschauer, der mit seinem Abstimmungsverhalten auf der Fernbedienung zu solcherlei Hasard animiert? Die Frage stellen heißt sie beantworten - Nervenkitzel ist schließlich seit jeher Garant für Publikumserfolg, von der Gladiatorenarena über die Zirkuskuppeln bis zum Jahrmarkt.

Insofern wird man auf eine seelenreinigende Wirkung des aktuellen Unfalls bei Anbietern und Konsumenten solcherlei Form der Unterhaltung kaum bauen können. Eine Weile werden sie sich zerknirscht bescheiden und verantwortungsvoll auftreten. Nach einer Schamfrist aber wird es wieder heißen: schneller, höher, weiter, gefährlicher. Auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wetten, dass?

 

„Mannheimer Morgen“

Das ZDF braucht gerade am Samstagabend Quote. Seit RTL Bohlens Supertalent gegen Gottschalk antreten lässt, sinkt diese stärker als zuvor. Hat die Wetten, dass...?-Redaktion deshalb auf immer größere Dramatik und Gefahr gesetzt? In der Tat wurden die Wetten in letzter Zeit wilder. Wer sich um die Zukunft eines etwas abgespeckten Wetten, dass...? sorgt, sollte sich eines in Erinnerung rufen: Es waren fast immer die kleinen Wetten, die Konzentrations-, Gedächtnis- oder Akrobatikleistungen, bei denen das Publikum am meisten tobte.

„Westdeutsche Zeitung“ (Düsseldorf)

Wetten, dass... ? hat einmal mit so harmlosen Spielchen begonnen wie dem, mit einem einzigen Luftzug die Kerzen eines Adventskranzes auszupusten. Spätestens am Samstagabend hat die letzte große Familiensendung des deutschen Fernsehens diese Unschuld verloren. Aus Spaß ist bitterer Ernst geworden. Das Konzept der ZDF-Show muss sich infrage stellen lassen. Wie bisher geht es jedenfalls.

 „Nürnberger Nachrichten“

Der Unfall zeigt, dass immer höher, schneller und weiter in der TV-Branche nicht der Maßstab von Shows sein darf. Das betrifft übrigens nicht nur Wetten, dass..?, sondern zum Beispiel auch Stefan Raab mit seiner Sendung Schlag den Raab“. All diese Sendungen werden ihre Konzepte nun auf den Prüfstand stellen müssen. Wetten, dass..? hat lange Zeit mit schier unglaublichen Gedächtnis- oder Geschicklichkeitsdemonstrationen gepunktet. Die sind für Kandidaten völlig risikofrei - einmal abgesehen von der Gefahr, sich zu blamieren -, doch mindestens so unterhaltsam wie jeder gewagte Sprung.

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