Auftritt des Comedy-Duos Badesalz am 7. Juni

„Das ist wahnsinnig schön da“: Henni Nachtsheim über das Kulturzelt Wolfhagen

Niemand babbelt lustiger als Badesalz: Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim sind Badesalz, hier 2011 in den Kulissen ihrer Sendung „Comedy-Tower“, die der HR trotz toller Kritiken viel zu früh und „lieblos“ einstellte, wie Nachtsheim kritisiert. Fotos: dpa

Henni Nachtsheim und Gerd Knebel haben die Comedy in Deutschland miterfunden. Mitte der 80er-Jahre wurden sie als Duo Badesalz bekannt.

Heute treiben die Hessen ihre Späße immer noch – zum Beispiel am 7. Juni im Wolfhager Kulturzelt mit ihrem neuen Programm „Dö Chefs!“. Wir sprachen mit Nachtsheim (59), einem der beiden Chefs.

Welche Erinnerungen haben Sie an das Wolfhager Kulturzelt? 

Henni Nachtsheim: Es ist wahnsinnig schön da. Die Leute sind nett. Der Backstage-Bereich ist unglaublich liebevoll gemacht. Wir und andere Künstler kommen gern dorthin zurück. Man spürt das Bemühen, es so schön wie möglich zu gestalten. Das prägt den Geist des Festivals. Genauso übrigens wie beim Sommer im Park in Vellmar. Anderswo wird ein Festival schon mal routinemäßig abgespult. Das ist hier überhaupt nicht der Fall.

Auch Ihr neues Programm ist ein Comedy-Theaterstück mit festen Charakteren statt 30 verschiedenen Rollen wie früher. Haben Sie keine Lust mehr auf das ständige Verkleiden? 

Nachtsheim: Es ist tatsächlich so. Wir haben das so wahnsinnig oft gemacht, dass wir dachten, wir müssten etwas Neues ausprobieren. Anfangs waren wir uns nicht sicher, wie das ankommt, weil sonst eigentlich niemand Comedy-Theater macht. Aber dann hat es gleich beim ersten Mal unheimlich gut geklappt.

In „Dö Chefs“ geht es um zwei Wirte, deren Kneipen nicht laufen. Das klingt nach einem Fall für den Restauranttester. 

Nachtsheim: An die RTL-Sendung haben wir nie gedacht. Es war schon seit zehn Jahren klar, dass wir ein Programm zu diesem Thema machen wollen. Die beiden Kneipen liegen nebeneinander. Und jeder Wirt wirft dem anderen vor, er sei Schuld, dass keiner kommt. Letztlich fusionieren sie aber, weil sonst der Abriss droht.

Was macht eine Kneipe aus? 

Nachtsheim: Vor allem der Wirt. In Neu-Isenburg, wo ich groß geworden bin, gibt es den Treffpunkt – eine Musik-Kneipe, in die man einfach auch so geht. Dort trifft man nur nette Leute. Das ist ein Verdienst der Betreiber, die sich ihre Klientel ein bisschen erzogen haben. Wenn man dort hinkommt, ist man sofort auf Betriebstemperatur und babbelt sich einen Wolf.

Früher waren Badesalz auch Fernsehstars. Heute sieht man Sie kaum mehr im TV. 

Nachtsheim: Fernsehen ist für uns nicht mehr so wichtig. Zum einen gibt es wenige Formate, die uns interessieren. Zum anderen zeigt unser Kartenverkauf, dass Badesalz davon unabhängig super funktioniert. Die Leute vertrauen uns.

Ohne Gerd Knebel sind Sie Teil der Ratesendung „Straßenstars“, die der Hessische Rundfunk in Kassel produziert. 

Nachtsheim: Leider wird die Sendung ab November in Frankfurt aufgezeichnet. Die letzte Staffel haben wir zuletzt in Kassel gedreht. Da gab es viele Tränen. Den Grund für den Umzug kenne ich nicht. Es ist schade. In Kassel hat alles gestimmt.

Das Format ist eine der wenigen tollen Sendungen im HR. 

Nachtsheim: Da gebe ich Ihnen Recht.

Warum ist das Programm des HR so bieder? 

Nachtsheim: Gerd und ich sind da schlechte Ansprechpartner. Wir hatten vor einigen Jahren das Format „Comedy-Tower“, für das wir jeweils einen Comedian eingeladen haben, um mit ihm eine Stunde zu reden. Das war total schön. Und obwohl wir gegen „Germany’s Next Topmodel“ angetreten sind und die Quote gesteigert haben, wurde das Format nach der dritten Ausgabe ziemlich lieblos und unhöflich beendet. Dabei fanden das alle total geil. Jemand sagte uns: „Wenn ihr das noch ein Jahr weitermacht, bekommt ihr den Fernsehpreis und den Comedy-Preis.“ Der HR hat das nicht zu schätzen gewusst.

Werden Sie weinen, wenn Ihr Verein Eintracht Frankfurt in der Relegation aus der Fußball-Bundesliga absteigen sollte? 

Nachtsheim: Definitiv ja. Die Eintracht hätte niemals Trainer Thomas Schaaf vom Hof jagen sollen. Das war Mobbing, Spieler und Medien waren beteiligt. Im Vorstand hat man ihn nicht geschützt. In gewisser Weise ist der Verein dafür bestraft worden. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Zur Person

Geboren: am 15. März 1957 in Wuppertal als Hendrik Nachtsheim, aufgewachsen in Neu-Isenburg

Karriere: Nachtsheim war Sänger und Saxofonist der Rodgau Monotones („Die Hesse komme“), ehe er Mitte der 80er mit Gerd Knebel das Comedy-Duo Badesalz gründete.

Privates: Vater von drei Kindern, wohnt in Rödermark. Sohn Max Nicolas (32) ist als Rapper Rockstah erfolgreich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.