Stardirigent Lorin Maazel wird heute 80

Der Dauerbrenner

Lorin Maazel

Dirigierende Wunderknaben rufen natürlich Verwunderung hervor: Als der pummelige elfjährige Lorin Maazel 1941 vor Arturo Toscaninis NBC Symphony Orchestra in New York den Taktstock schwang, schleckten die altgedienten Musiker demonstrativ Bonbons. Mit den Jahren lernten sie wie ihre Kollegen in ganz Nordamerika und Europa den jungen Mann zu schätzen für seine Präzision und ausgefeilte Schlagtechnik, für seine Konzentration und Repertoirevielseitigkeit.

Lorin Maazel, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, ist eine Autoritätsperson und ein Dauerbrenner am Dirigentenpult. Tat er sich in jüngeren Jahren, 1960, hervor als erster US-amerikanischer Dirigent im Wagner-Bayreuth („Lohengrin“) und als jüngster dort überhaupt, später auf Schlüsselpositionen in Berlin (Deutsche Oper und Radio-Sinfonieorchester), in London und Paris sowie als Chefdirigent in Cleveland und Pittsburgh, dazwischen als Wiener Staatsoperndirektor, so leitete er im Pensionsalter verantwortlich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (1993-2002) und die New Yorker Philharmoniker (bis 2009). Soeben erwägen die Münchner Philharmoniker, ihn als Interims-Chefdirigenten für Christian Thielemann bis 2012 erneut ans Pult zu bitten.

Maazel, 1930 in Neuilly-sur-Seine bei Paris in eine amerikanisch-russisch-jüdische Musikerfamilie geboren, gilt als kühler, distanzierter Pultstar, der sein Metier von kenntnisreich-überlegenem Standpunkt aus begreift, der lebenslang das Violinspiel gepflegt hat und sogar komponiert, der ein Faible für Philosophie und bildende Kunst hegt.

Noch mehr Auffälliges? Gern: Für drei Opernfilme berühmter Regisseure lieferte er den gehaltvollen Soundtrack: „Don Giovanni“ (Joseph Losey), „Carmen“ (Francesco Rosi) und „Otello“ (Franco Zeffirelli). Alle neun Beethoven-Sinfonien führte er 1988 an einem Tag mit drei Londoner Orchestern auf - bei einer Wohltätigkeits-Mammutgala. In dritter Ehe ist der Maestro mit der Schauspielerin Dietlinde Turban verheiratet, mit der er drei Kinder hat. Foto: dpa

Von Siegfried Weyh

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