"David Beckham für ganz Arme"

Kabarettist Florian Schroeder beim Baunataler Herbstpalast

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Der Bart muss ab: Das sagten zumindest Florian Schroeders Fans in der Baunataler Stadthalle.

Baunatal. Florian Schroeder  ist schon so lang im Geschäft, dass man ihn sich gut mit einem ganz langen Bart vorstellen kann. Bereits mit 14 Jahren war er als Parodist bei Harald Schmidt zu sehen. Am Dienstag trat er beim Baunataler Herbstpalast auf.

Nun ist Schroeder 35, und bei seinem Auftritt am Dienstag beim Baunataler Herbstpalast trug er wirklich einen Bart - keinen Salafistenbart, sondern so einen Modebart, wie ihn alle Männer in Schroeders Wahlheimat Berlin haben.

Richtig gut kam das nicht an bei den 270 Zuschauern in der Stadthalle. Per Applaus ließ Schroeder abstimmen, was besser sei. Die Mehrheit sprach sich für eine Rasur aus. Ansonsten gab es aber nichts auszusetzen an dem gebürtigen Badener. Auch unsere Überschrift ist irreführend. Der Satz, Schroeder sei „ein David Beckham für ganz Arme“, stammt von einem Zuschauer, der einmal zu Gast war und Atze Schröder erwartete, wie der andere Schroeder erzählte.

Einige Pointen könnten tatsächlich von einem Comedian stammen. „Entscheidet Euch!“ heißt sein Programm. Es geht um die Optionsvielfalt, die zur Bibel geworden sei, unseren Wunsch nach Perfektion sowie Bauch- und Kopfentscheidungen . Schroeder empfiehlt: „Alles was im Bauch passiert, ist irgendwann fürn Arsch.“

Service:

Baunataler Herbstpalast, Donnerstag: Maybebop. Freitag: Mathias Richling, jeweils 19.30 Uhr, Stadthalle.

Er philosophiert über Kants kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Wie richtig der Satz sei, könne jeder nachvollziehen, der mal im Regionalexpress auf dem Klo war, wo es heißt: „Verlassen Sie die Toilette so, wie Sie sie vorgefunden haben.“

Schroeder verbindet Alltagsweisheiten mit politischem Kabarett. Er macht sich über die AfD, die „Nazis für Besserverdienende“, und den Putin-Freund Gerhard Schröder lustig, der bis nach Russland fahren müsse, damit er noch jemanden finde, der mit ihm seinen Geburtstag feiern will.

Zwischendurch parodiert Schroeder genial Merkel, Oettinger und Löw. Und für alle Paare stellt er noch eine bestechende Gleichung über das Liebesglück auf: Häufigkeit des Sex minus Streithäufigkeit. Wer da im Minus ist, solle unbedingt miteinander reden. Schroeder selbst ist trotz einiger Längen nach zweieinhalb Stunden klar im Plus.

Schroeders Buch „Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Kunst der optimalen Entscheidung“ erscheint am 24. Oktober bei Rowohlt (352 Seiten, 9,99 Euro).

Von Matthias Lohr

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