Debüt der schönsten Heldenstimme: Der Tenor Klaus Florian Vogt

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Ein Star ohne Allüren: Klaus Florian Vogt.

Wenn Klaus Florian Vogt aus seinem Wohnmobil steigt, dann wirkt er nicht wie einer der gefragtesten Heldentenöre unserer Zeit. Groß und blond ist er zwar und insofern Siegfried-tauglich, doch Stargehabe ist dem 41-Jährigen völlig fremd.

Seit einiger Zeit hebt er dennoch immer wieder ab: Der im holsteinischen Heide geborene und mit Frau und vier Söhnen in Brunsbüttel lebende Vogt ist neuerdings Hobbypilot.

Auf der Bühne aber wird aus dem Menschen wie du und ich ein Sänger, der sein Publikum hypnotisieren kann. Vogt nennt es „Eintauchen in eine andere Welt“. Inzwischen ist er weltweit gefragt und in der Mailänder Scala und in der Met ebenso zu Hause wie auf dem Bayreuther Grünen Hügel. Im vorigen Jahr hat er dort Jonas Kaufmann als Lohengrin abgelöst - wie viele meinen - vergessen gemacht. Der Lohengrin ist für seine strahlend helle, in der Höhe herrlich frei und unangestrengt klingende Stimme eine ideale Partie. Was ihn zum kompletten Wagner-Tenor macht, ist überdies die Fähigkeit zur kraftvollen Attacke.

Zwar genießt es Vogt, als derzeit weltbester Lohengrin zu gelten, doch fürchtet er auch, wie er in Interviews sagt, er könnte damit auf diese und ähnliche Partien festgelegt werden. Vielleicht deshalb finden sich auf seinem Debüt-Soloalbum mit dem Titel „Helden“ neben den Wagner-Partien Lohengrin, Siegmund und Walther von Stolzing auch die Arie des Max aus Webers „Freischütz“ („Nein, länger trag ich nicht die Qualen“), die Bildnis-arie des Tamino aus Mozarts „Zauberflöte“ sowie Arien des Lionel aus Flotows „Martha“ und des Marquis aus Lortzings „Zar und Zimmermann“.

Dieses Live-Album, ein Berliner Konzertmitschnitt mit dem Orchester der Deutschen Oper und dem Dirigenten Peter Schneider, vermittelt Vogts Fähigkeit, seinem strömenden Gesang bei aller Leichtigkeit eine solche vibrierende Dringlichkeit zu verleihen, die das Publikum von den Stühlen reißt. Sein Gesang wirkt elektrisierend und gleichzeitig so, als ob er auch auf der Bühne etwas von seiner entspannten Privatwelt bewahren könnte. Eine Unbekümmertheit, die nichts mit Naivität zu tun hat.

Vielleicht kommt ihm zugute, dass er vor seiner noch jungen Sängerkarriere als Hornist der Hamburger Philharmoniker gelernt hat, Konzentration mit Gelassenheit zu verbinden. Man kann Lohengrins Gralserzählung wahrscheinlich zurzeit nicht besser hören, aber das Album „Helden“ zeigt auch: Es wäre schade, würde man diesen Tenor nur noch in Wagner-Partien erleben.

Klaus Florian Vogt: Helden (Sony Classical). Wertung: fünf von fünf Sternen

Von Werner Fritsch

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