TV-Kritik

Leise und ausgefeilt: Olaf Dellit über den Film „Grenzgang“

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Stephan Thome

Eine TV-Kritik von HNA-Redakteur Olaf Dellit: "Grenzgang“, der gefeierte Debütroman von Stephan Thome, ist ein Meisterwerk voll feiner Beobachtungen, Zwischentöne und ausgefeilter Dialoge. An reiner Handlung scheint nicht viel zu passieren.

Lässt sich dieses Buch in einen Film übersetzen? Ja, und zwar gut, wie Regisseurin Brigitte Maria Bertele und Drehbuchautorin Hannah Hollinger bewiesen. Claudia Michelsen spielte die Kerstin im Städtchen Bergenstadt – das Thome nach seinem Heimatort Biedenkopf modelliert hat – subtil zwischen Verzweiflung und Stärke.

Ebenso stark war Lars Eidinger als gescheiterter Akademiker Thomas Weidmann, irgendwo zwischen Eloquenz und Einsamkeit. Der Film glänzte auch durch seine ironische, aber niemals zynische Beobachtung der Kleinbürger.

Eine Literaturverfilmung ist keine 1:1-Umsetzung, sondern immer eine Neu-Interpretation der Vorlage. Gelingt sie, so gibt sie der Quelle neue Facetten. Bei „Grenzgang“ funktionierte das Experiment. Aus einem großartigen Buch wurde ein fesselnder Film: leise, ausgefeilt und auf spektakuläre Weise unspektakulär. Und wer genau hinsah, konnte in einer kurzen Sequenz Autor Stephan Thome im Festzelt tanzen sehen. ode@hna.de

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