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So hat sein Hofmaler Landgraf Friedrich verherrlicht

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Detail aus Tischbeins Gemälde, das Friedrich II. rühmt.
Detail aus Tischbeins Gemälde, das Friedrich II. rühmt. © Ute Brunzel

Restaurierte Tischbein-Gemälde im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel ausgestellt - 200 Jahre, nachdem sie aus dem Kasseler Landgrafenschloss entfernt wurden und in Vergessenheit gerieten.

Jahrzehnte waren zwei Gemälde des Kasseler Hofmalers Johann Heinrich Tischbein d. Ä. auf dem Dachboden des Schlosses in Weilburg gelagert worden und so gut wie in Vergessenheit geraten. Als Christiane Ehrenforth sie in Augenschein nahm, fragte sich die Restauratorin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), ob überhaupt ihre Rettung möglich sein würde. Jetzt aber werden sie restauriert im Museum Schloss Wilhelmshöhe präsentiert.

Die Schäden

Einst hatten die Gemälde aus den Jahren 1770 bis 1772 – eine Allegorie der Minerva mit den Wissenschaften sowie Apoll mit den Künsten – im Kasseler Residenzschloss gehangen, in den Privatgemächern von Landgraf Friedrich II.. Dann waren sie ins Jagdschloss Wabern gelangt und von dort irgendwann nach Weilburg. Man hatte sie zwar mit Japanpapier und Wachs abgeklebt, aber „falsch fixiert“, sagt Ehrenforth, Farbe war abgeplatzt, die Risse summierten sich allein bei einem Bild auf sechs laufende Meter. Auf der Rückseite „ein Kuddelmuddel aus Leinwandfäden“, ergänzt mit Baumwolle, die bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen jeweils genau umgekehrt reagiert wie Leinen – etwa aufquillt und Wellen bildet. Außerdem waren die Gemälde „aufs Übelste übermalt“, wie Ehrenforth erzählt.

Die Restaurierung

Doch wurde die Restaurierung gewagt – mithilfe des Kasseler Museumsvereins, der mit insgesamt 55 000 Euro auch die aktuelle Ausstellung im Schloss unterstützt: „Der Maler als Zeichner – der Zeichner als Maler“. Wann, wenn nicht jetzt – das war auch für die Restaurierung die Devise: Anlass ist der 300. Geburtstag Johann Heinrich Tischbeins.

Wie sehr sich der „Parforceritt“ gelohnt hat, zeigt eine Kabinettausstellung, die parallel zur „großen“ Tischbein-Schau im Schloss zu sehen ist. „Die Minerva war sportlich, Apoll war olympisch“, beschreibt Ehrenforth die Herausforderung für die externen Restauratorinnen Sina Theile (Diemelstadt) und Silvia Behle (Willingen). Sie nahmen in eineinhalb Jahren die jüngeren Übermalungen ab, verklebten Faden für Faden, kitteten Fehlstellen mit Hundertselmillimeter-Präzision.

Das dritte Gemälde

Zu Minerva und Apoll gehört ein drittes Gemälde, das weniger tiefgreifend wieder hergestellt werden musste, weil es lange im Marmorbad hing, wo es ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Gemälde ersetzte. Dargestellt sind Sinnbilder einer guten Regierung – Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke. So wird Landgraf Friedrich II. verherrlicht: Ein Putto präsentiert Orden und Ehrenzeichen. Ein Soldat hält einen Löwen nieder – wobei sich Justus Lange, Leiter der Gemäldegalerie, fragt, ob Tischbein je einen Löwen gesehen haben kann. Die Gottheit des Ruhms, Fama, verkündet mit ihrer Posaune Friedrichs Wirken.

Der Kassel-Plan

Während zu den Wissenschaften der Festungsbau gehört – auf dem Minerva-Gemälde am Beispiel eines Plans von Ziegenhain –, zählt auf dem Apoll-Äquivalent die Architektur zu den Künsten. Hier ist es ein Plan Kassels, der auf einschneidende Veränderungen in Friedrichs Regentschaft verweist – vor allem durch die Entscheidung im Jahr 1767, die Wälle der Stadtbefestigung abzutragen, die Gräben aufzuschütten. Die Fläche zwischen Altstadt und Oberneustadt gestaltete als Oberbaudirektor Simon Louis du Ry neu: Er schuf Friedrichsplatz, Königsstraße und Königsplatz.

Der Stadtspaziergang

Über du Rys Italien-Reise in den 1750er-Jahren und die Antikenbegeisterung am Hofe der Landgrafen wird ab 25. November eine von Rüdiger Splitter eingerichtete Sonderausstellung im Landesmuseum informieren: „Reise zum Vesuv. Anfänge der Archäologie am Golf von Neapel“. Die parallelen Tätigkeiten du Rys und Tischbeins in Kassel und die Sonderausstellungen zu diesen prägenden Persönlichkeiten waren für die MHK Anlass, einen Flyer mit einem Spaziergang zur Stadtgeschichte herauszugeben. Grundlage ist der „Plan der Fürstlich-Höfischen Residenz und Haupt-Stadt Cassel des Herrn Landgrafen Friedrich II.“, der „Hochfürstlichen Durchlaucht unterthänigst zugeeignet“, von 1781, der in Darmstadt aufbewahrt wird.

Der Schlossbrand

Eine der sieben Stationen mit informativen Erläuterungen ist der Ort des Landgrafenschlosses, heute Sitz des Regierungspräsidiums. Justus Lange hält es für unwahrscheinlich, dass die in die Decke eingelassenen Tischbein-Gemälde wirklich während des Brandes des Schlosses 1811 gerettet wurden. Sie seien vermutlich schon unter Landgraf Wilhelm IX. oder spätestens unter französischer Besatzung von König Jerôme entfernt worden: „Sie hatten mit der Verherrlichung Friedrichs beide nichts am Hut.“

Apoll und die Künste: Das Deckengemälde von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. ist im Schloss zu sehen.
Apoll und die Künste: Das Deckengemälde von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. ist im Schloss zu sehen. © MHK

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