Rockmusiker Roland Oumard komponierte das Musical „König Drosselbart“ fürs Brüder-Grimm-Festival

Mit Deep Purple fing alles an

Hat 400 Songs geschrieben: Musiker Roland Oumard in seinem Studio. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Roland Oumard weiß, wie er eine Melodie so lang wie möglich frisch hält. Wenn er Lieder komponiert, wie für das mit großem Erfolg auf der Insel Siebenbergen laufende Musical „König Drosselbart“, dann bewegt er seine musikalischen Ideen so lang wie möglich nur im Gehirn, setzt sich erst spät ans Klavier. „So rutsche ich weniger leicht in althergebrachte Akkordschemata“, sagt der 50-Jährige. Wenn das Thema erst mal steht, ist der Rest des Stücks innerhalb von zehn Minuten fertig. Doch dann beginnt die Verschönerung, die durchaus noch ihre Zeit dauern kann.

Beim Komponieren orientiert Oumard sich am Sprachrhythmus, was etwa am Leitlied des von Michael Fajgel geschriebenen Musicals deutlich wird: „So frei wie die Wolken / egal, wohin der Wind uns trägt.“ Am Küchentisch seines kleinen Hauses in Kirchditmold unterstreicht er die Akzentuierung auf „frei“ mit feinen Dirigierbewegungen.

Oumard ist langjähriges Mitglied der Kasseler Rock-Szene. Er spielte in verschiedenen Bands, etwa mit Christina Lux, steht bei Bluessessions auf der Bühne. Aktuell hat der musikalische Leiter des Musicaltheaters tic keine feste Band.

Angefangen hat bei dem gebürtigen Kasseler alles mit Klavierunterricht - seit dem Alter von sechs Jahren: „Ich war ein Musterknabe“, sagt er grinsend. Bis er „das mit den Mädchen herauskriegte“ und zum ersten Mal Deep Purple hörte. Da war er für die klassische Musikwelt verloren. Mit der ersten Schülerband kupferte er akribisch Deep-Purple-Arrangements ab.

Dabei ist er der traditionellen Musikausbildung sehr dankbar: „Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier ist für mich immer noch der Gipfel der Kochkunst.“

In seinem Kellerstudio bastelt Oumard an seinen musikalischen Stoffen - 400 Stücke hat er auf Lager: „Ich bin immer noch hungrig.“ Für die Beurteilung, ob Musik etwas taugt, ob die derzeit so populären Musicals und Revuen gut sind, zählt für Roland Oumard nur ein Kriterium: „Entscheidend ist, dass es ernst gemeint ist, man muss fühlen, dass es von innen kommt.“

Nach Engagements am Staatstheater, etwa für das Musical „Grease“, hatte Oumard von den festgelegten Abläufen des großen Hauses die Nase voll. Im tic ist er seit der Gründung 2003 hauptberuflich mit im Boot.

Nach der „Drosselbart“-Premiere pflegte Oumard eine andere Leidenschaft: Er wandelte auf den Spuren seines Lieblingsautoren Hermann Hesse in Süddeutschland. Gern besucht er mit Frau und elfjährigem Sohn auch Zoos - vor allem wegen der Gorillas. Und zum Schulstart wird Oumard wieder von Lehrern gebucht für seine Vorträge zur Kasseler Geschichte - einem weiteren Hobby.

Musical „König Drosselbart“, Insel Siebenbergen, bis 15.8., Karten: 0561-18383.

Von Bettina Fraschke

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