Fünf Tage Ausnahmezustand

Electro-HipHopper von Deichkind beenden das Open Flair

Eschwege. Fünf Tage Ausnahmezustand während des Open Flair Festivals in Eschwege haben am Sonntag mit dem Abschlusskonzert der Hamburger Electro-HipHop-Combo Deichkind ein würdiges Ende gefunden.

Schrill, grell und vor allem surreal übertrieben - für diese Mischung sind die Bühnenshows der 1997 gegründeten Band bekannt. Und genau diese Mixtur war es auch, die die 25 000 ermatteten Festivalbesucher nach langen Camping- und Partytagen in der Nacht zum Montag noch einmal zum Ausflippen brachte.

Denn Deichkind verstehen es nicht nur, ihr Publikum durch immer neue Verkleidungen und optische Effekte wie den bunt blinkenden LED-Leuchten in Dreiecksform, hinter denen sie oftmals ihre Gesichter verbergen, zu faszinieren. Die Hamburger, die mit ihrem aktuellen Album „Befehl von ganz unten“ so erfolgreich sind wie nie zuvor, binden ihre Zuschauer auch auf eine Art und Weise in ihre Auftritte ein, wie das derzeit wohl kein anderer deutscher Live-Act tut.

Stage Diving war gestern. Für Deichkind muss alles immer eine Spur pompöser, abgedrehter sein. Und so ließen sich die Jungs um Sänger Philipp Grütering in Eschwege lieber im Schlauchboot oder in einem überdimensionalen Bierfass über ein Meer aus Händen tragen. Doch trotz aller abgedrehter Elemente ist ein Deichkind-Konzert auch stets vom ersten bis zum letztem Elektro-Akkord durchchoreografiert und wird so gewissermaßen zu einem unwirklichen Theaterstück, in dem jeder Akt, sprich jeder Song, den vorherigen in seiner Extravaganz übertreffen muss.

Sonntagnacht gipfelte diese Klimax darin, dass die Hamburger zu ihrem Schlusssong „Remmidemmi“ wirklich alles auffuhren, was ihre Requisitenkammer herzugeben schien. Vor lauter Luftballons, Trampolinen, Bannern und Hüpfburgen war kein Quadratmeter der Hauptbühne mehr frei – und der selbst auferlegte Ruf der Band als Abrissbirne der Nation nach 90 Minuten Ekstase eindrucksvoll bestätigt.

Nicht weniger eindrucksvoll, jedoch vollkommen anders, war der Auftritt der Alternative-Rocker Donots wenige Stunden zuvor. Statt auf Effekthascherei setzten die fünf festivalerprobten Westfalen, die mit ihrem neuen Album „Wake the Dogs“ zum ersten Mal die Top Ten der Charts erreichten, zum einen auf ihre pure Stimmgewalt, zum anderen aber vor allem auf jede Menge Spaß an dem, was sie tun.

Bilder vom Open Flair

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Das war das Open Flair am Sonntag

Die Energie, mit der Frontmann Ingo Knollmann ununterbrochen über die Bühne sprang und das Publikum animierte, war so ansteckend, dass die Zuschauer ihn gar nicht mehr gehen lassen wollten und minutenlang den letzten Donots-Song „So long“ a cappella sangen.

Nach dieser beeindruckenden Performance dürfte es nicht überraschen, wenn die Donots auch im kommenden Jahr vom 7. bis 10. August erneut ihre Funken in Eschwege sprühen lassen.

Von Michael Prieler

Rubriklistenbild: © Gall

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