Camerata Castellana in der Klosterkirche

Delikates aus dem Barock

Susanna Weber

KASSEL. Nach Schütz kam sogar ein Bravo von der Empore. Der intensive Lobgesang Marias „Meine Seele erhebt den Herren“ aus dem zweiten Teil der Symphoniae sacrae (1647) von Heinrich Schütz geriet in der voll besetzten Klosterkirche Nordshausen zum besonderen Talentbeweis der Kasseler Sopranistin Susanna Weber. Ausgezeichnet passt ihre schlanke, innige Stimme zur Barockmusik.

Überhaupt war das Weihnachtskonzert in Kassels ältester Kirche eine feine Veranstaltung. Auf der Basis „Freier Eintritt, Spenden erbeten“ bot die Camerata Castellana vokale und instrumentale Werke des 17. Jahrhunderts - unter Verwendung von nachgebauten alten Instrumenten, die bei uns ja leider seltener zu hören sind als anderswo. Regine Kändler (Barockvioline), Susanne Schale (Blockflöten), Dörte Gassauer (Cembalo), Esteban Cordi (Barockcello) und Susanna Weber hatten eine aparte Auswahl vorbereitet.

Ohne Schmalztopf

Neben Schütz wurde dessen Schüler Christoph Bernhard gewürdigt, und neben frühen italienischen Triosonaten (geschmeidig dabei die Blockflöte) gab es als Delikatesse eine mit dichten Imitationen operierende Suite des Engländers Matthew Locke. Kitsch war dabei nie anzutreffen. So affektvoll Barockmusik ist, so fremd ist ihr die Mischung aus Primitivität und fettem Pathos, die Kitsch ausmacht. Den Griff in den musikalischen Schmalztopf haben erst spätere Epochen erfunden.

Von Georg Pepl

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