Comedian Django Asül begeisterte in der Baunataler Stadthalle

Delle in der Genetik

Starke Parodien im urbayerischen Dialekt: Django Asül bot in der Baunataler Stadthalle keine leichte Comedy-Kost. Foto: Fischer

Baunatal. Es ist keine leichte Kost, die Comedian Django Asül seinem Publikum an diesem Abend serviert. Vor rund 240 Zuschauern ist der Niederbayer mit türkischstämmigen Eltern am Freitagabend in der Baunataler Stadthalle aufgetreten und hat anlässlich seiner 20-jährigen Bühnenkarriere über Flüchtlinge, Alltagsrassismus und Identitätsfragen gesprochen.

In urbayerischem Dialekt serviert er dem Publikum seine ganz eigene Sicht auf die Dinge und parodiert dabei sehr wandelbar Stammtischgänger, Fußballtrainer und türkische Gemüsehändler.

So erzählt Django Asül an diesem Abend die Anekdote, wie eine Frau ihn nach einer Show gefragt hatte: „Kommen Sie denn eigentlich aus dem Iran?“ – „Ja klar, aus einem Vorort von Teheran. Ich bin gerade für die Show hergeflogen“, habe er gesagt. Das Publikum in der Stadthalle lacht darüber, aber letztlich präsentiert der Comedian damit ernste Themen in lustiger Verpackung. Er selbst habe nie in der Türkei gelebt, sei in Deutschland geboren worden und finde es bei Besuchen in der Türkei seltsam, dass dort kein Bayerisch gesprochen wird. Trotzdem werde er in Deutschland immer wieder nach seiner türkischen Herkunft gefragt, über die er gar nichts sagen könne.

Kurz darauf schlüpft Asül in die Rolle eines bayerischen Fußballtrainers, der am Spielfeldrand steht und seine Spieler anschreit. „Ich habe ja nichts gegen Integration“, sagt dieser. „Dann aber für alle. Denn ob du in Kabul im Straßengraben lagst oder hier eine Sendung auf RTL anschaust – das haut dir auf gleiche Art eine Delle in die Genetik.“

Die von Django Asül dargestellten Charaktere sind dabei provozierend, stark überzeichnet und gekonnt parodiert. Der Comedian entpuppt sich an diesem Abend als feinsinniger Beobachter, der Stereotype und Vorurteile einer Gesellschaft erfassen und dann auf der Bühne auch verkörpern kann. Dabei wagt er sich auch an die brisanten Themen. Ein gesellschaftlicher und politischer Rundumschlag, der amüsiert und zum Nachdenken anregt.

Von Yvonne Albrecht

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