Hartwig Eickhoff übergibt Nachlassteil des Schriftstellers Hans Jürgen von der Wense an die Uni-Bibliothek

„Den anderen im Kern bestärken“

Notenblätter, Briefe, Bücher: Dr. Axel Halle (Direktor der Uni-Bibliothek) mit Hartwig Eickhoff und dem Wense-Nachlass. Foto: Koch

Kassel. Er habe Hans Jürgen von der Wense „unwahrscheinlich viel zu verdanken“, sagt Hartwig Eickhoff. Der 70-Jährige übergibt heute im Rahmen einer zweiten internationalen Tagung zu Einflüssen und Wirkung des Schriftstellers, Übersetzers und Komponisten (1894 - 1966) Teile von dessen Nachlass an die Universitätsbibliothek Kassel.

Briefe (es sind genau 761 Blätter), Postkarten, Übersetzungen, 100 teils umfangreich kommentierte Bücher aus Wenses Wohnung und 33 bislang unbekannte Fotografien ergänzen den 2009 erworbenen Nachlass des Universalgelehrten, der von 1932 bis 1940 in Kassel und danach in Göttingen lebte, von dort aus die Mittelgebirge in einem 100-Kilometer-Radius um Kassel erwanderte und breit gefächerte, intensive Forschungen betrieb.

Im November 1957 lernte der 17-jährige Eickhoff den 61-jährigen Wense kennen. Es begann „ein pädagogisches Verhältnis“, wie Eickhoff sagt. Die beiden hörten Beethovens „Eroica“ auf Schallplatte, sahen den „Rosenkavalier“ in der Kasseler Oper, sprachen über Hölderlin und wanderten gemeinsam. Wense, wenngleich anspruchsvoll in seiner Freundschaft, habe eine „sehr gute pädagogische Art“ gehabt, erinnert sich der Jüngere, er habe ihm nichts übergestülpt, sondern ihn an seiner Welt, seinen Interessen teilhaben lassen - und umgekehrt. „Es ist aber die hohe Sendung jeder Freundschaft und der tiefste Sinn ihrer Treue, den anderen in seinem Kern zu bestärken und zu bewahren“, so formulierte es Wense in einem Brief.

Während Eickhoffs Lehre in einer Zimmerei in Göttingen sahen sich beide häufig. Als er 1963 in Holzminden zu studieren anfing, begann der Briefwechsel. Noch in der Klinik besuchte er den an Darmkrebs erkrankten Wense. Nach dessen Tod räumte er mit Wense-Freund Dieter Heim die Wohnung, die anhand der Fotos und Bücher exakt rekonstruiert werden könnte.

Später gründete Eickhoff eine Familie, er arbeitete als angestellter Ingenieur im Hochschulbau und machte sich später selbstständig. Er lebt in Bremen. Was ihm „bis heute nachgeht“, war Wenses spartanisches Leben. Der Schiftsteller veröffentlichte so gut wie nichts, lebte von Gönnern. Eickhoff: „Er hat sich durchgehungert.“

Beginn der zweitägigen Wense-Tagung „Einflüsse - Wirkungen - Inspirationen“ heute, 14.30 Uhr, Murhardsche Bibliothek. 20.15 Uhr: Klavierkonzert mit Moderation mit Steffen Schleiermacher (Leipzig). Tagungsgebühr 25/15 Euro, nur Konzerteintritt 12/8 Euro. Programm: www.juergen-von-der-wense.de

Von Mark-Christian von Busse

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