Joy Denalanes geballte Lebensfreude im Kasseler Kulturzelt

Auftritt voller Energie: Sängerin Joy Denalane machte ihrem Vornamen alle Ehre und bereitete mit ihrem Auftritt viel Freude. Foto: Fischer

Kassel. Wer Joy, also Freude, heißt, kann vermutlich nicht anders, als Menschen genau das zu bereiten. Joy Denalane macht das musikalisch - dabei sind ihre Texte groß, tapfer, zart.

Die Melodien dazu stets auf den Punkt. Bei ihrem Auftritt im ausverkauften Kasseler Kulturzelt am Samstag erlebten die Zuschauer eine Soulsängerin voller Energie und Tiefgang - die trotzdem nicht an Leichtigkeit verlor. Eine, die gleich mit ihrem ersten Song „Himmel berühren“ genau diesen mit ausgestreckten Händen anzutippen scheint.

Es ist nach 2007 ihr zweiter Besuch im Kulturzelt, sagt sie. Und, dass es schön sei an einen Ort zurückzukehren, an dem man sich wohlgefühlt habe. Dass dieser Ort für sie die Bühne ist, fühlt und sieht man. Während ihre Band, in schwarzen Gleisdreieck-Shirts optisch eher unauffällig agiert, ist sie musikalisch zu jeder Zeit Denalanes perfekter Begleiter. Mehr als das: Beim Song „RotSchwarz“, in dem es um eine zerbrochene Beziehung geht, schweigt die Stimme der Sängerin deutlich früher als bei der Albumversion. Denalane lässt Bass, Gitarre und Schlagzeug die Wucht der inneren Zerstörtheit einfangen.

Dieses Gespür für die passenden Akzente und das Zurücknehmen im richtigen Moment sind es, die den Liveauftritt der in Berlin lebenden Sängerin bereichern. Das Publikum begeistern. Als Denalane später zum Mitsingen auffordert, schallt es nach dem Song noch lange „Was immer du willst, mein Baby“ durch das Zelt. Das genießt sie.

Vor allem Songs von ihrem neuen Album „Gleisdreieck“ hat sie dabei. Gleisdreieck, das ist die Gegend zwischen Berlin-Kreuzberg und -Schöneberg, in der sie aufwuchs. Dort entdeckte sie als Mädchen die Plattensammlung ihres Vaters, mit ihr die Musik. Später dann durch ihre Brüder den HipHop - auch das kann sie.

Die Zuschauer erleben eine Sängerin, deren Kraft mindestens so unbändig ist, wie ihre wilde, lockige Haarmähne. Die, wenn sie „Alles leuchtet“ singt, selbst am hellsten strahlt. Eine Frau, die mit 43 Jahren einige innere Dämonen besiegt hat („Blut ist nicht immer dicker als Wasser“) und sich nicht nur auf ein Frauenbild reduzieren lässt.

Die Sängerin ist Tochter, Schwester, Tante, Partnerin, selbstbewusste Frau und Mutter. Voller Zärtlichkeit erinnert sie an ihren Song „Kinderlied“ aus dem ersten Album „Mamani“, um dann - 16 Jahre später - „Vorsichtig sein“ zu singen. Ein Lied, das eine Liebeserklärung an ihre Kinder ist und die nie endende Angst spiegelt, die man als Mutter hat, vor den Fehlern, die Kinder begehen.

Hinter ihr und ihrem Mann, dem Sänger Max Herre, liegen Trennung und Versöhnung. Sie singt von Betrug und Eifersucht. Kokettiert charmant mit dem Schicksal („Wieder gut“).

Ihr Vater stammt aus Südafrika und sie ist ein politischer Mensch. Mit „Zuhause“ gibt sie ihre musikalische Antwort auf das Unwohlsein, dass sich in ihr ausbreitet. Sie scheut sich nicht, auch diese Gefühle in Worte zu packen.

Lange war sie auf der Suche nach ihren Wurzeln und scheint nun ganz bei sich angekommen zu sein. „Alles, was man ausspricht, schreibt oder singt, kommt zurück, egal wie tief es sitzt. Aber ich bin nicht ängstlich davor“, hat sie gesagt. Muss sie auch nicht sein: Egal, wie aufgekratzt die Szenen sind, die sie besingt, am Ende steht (ohne Kitsch) die Zuversicht. Getragen von innerer Kraft und Lebensfreude.

Der nächste Kulturzelt-Termin: Mittwoch, 19.30 Uhr, Jacob Collier. HNA-Kartentelefon: 0561/203204.

Alle Infos zum Kulturzelt gibt es auch bei Kassel Live

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