Daniel Kehlmanns brillantes Debüt als Dramatiker in Berlin

Denken macht krank

Freundschaft: Heikko Deutschmann als Kurt Gödel (links) und Gerd Wameling als Einstein. Foto:  picturesberlin

Berlin. Nach dem Megaerfolg des Romans „Die Vermessung der Welt“, der in 40 Sprachen übersetzt wurde, feiert der Bestsellerautor Daniel Kehlmann nun am Berliner Renaissance-Theater sein brillantes Debüt als Dramatiker.

Intendant Horst Filohn setzt auf neue Stücke, verknüpft philosophische Diskurse mit Boulevard. Prominente Schauspieler aus Film und Fernsehen helfen dabei. Gescheit und witzig, anspruchsvoll und doch sehr unterhaltsam wie Kehlmanns Prosa wirkt auch sein Drama um den spleenigen Mathematiker Kurt Gödel (1906-1978), das jetzt seine deutsche Erstaufführung erlebte.

„Geister in Princeton“ bleibt den höheren philosophischen Sphären um paradoxe Logik und den Wahnsinn der Vernunft treu, weiß aber ein breites Publikum komödiantisch anzusprechen.

Dabei geht es in den knapp 100 Minuten, die Torsten Fischer temporeich auf die von Vasilis Triantafillopoulos mit Spiegel und Spänen bestückte Bühne gebracht hat, um einen tragischen individuellen Weg vor dunkler Geschichte. Der hochintelligente Sonderling Gödel gehörte zum Wiener Kreis aus Philosophie-Professoren und ihren Schülern, die alle auch Naturwissenschaftler waren. Er ist kein Jude, wird aber dafür gehalten und emigriert 1940 nach Amerika.

In Princeton trifft er auf Albert Einstein und vereinsamt nach dessen Tod. Der Mann ist zu klug oder doch nicht klug genug, um lebenstauglich zu sein. „Kein System lässt sich abschließen. Es bleibt immer ein Rätsel übrig.“ Vielleicht macht ihn dieses Rest-Rätsel verrückt? Gödel wählt den Hungertod. Mit seiner Beerdigung beginnt Kehlmanns Stück.

Heikko Deutschmann verleiht der Titelrolle erhöhte Glaubwürdigkeit. „Tatort“-Star Boris Aljinovic beeindruckt als russischer Offizier in der mongolischen Pampa.

Viel Stoff zum Nachdenken im raffinierten Spiel aus Realität und Fiktion, das so amüsant und kurzweilig vorüber zieht wie die Erkenntnis: Denken schadet der Gesundheit. Nicht denken aber auch.

Bis 15.1. und 9.-12.2. Karten unter: 030 - 3124202.

Von Andrea Hilgenstock

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