Johann König in der Kasseler Stadthalle

Denkhohlräume und Seifenblasen

Schalk: Johann König in Kassel. Foto:  Fischer

Kassel. Da musste selbst der abgezockte Comedystar Johann König tief durchatmen - das aufdringliche Gelächter einer Frau aus dem Publikum, das an die Geräuschkulisse von kleinen Ferkeln bei der Nahrungsaufnahme erinnerte, sorgte beinahe für einen Eklat. In der fast voll besetzten Kasseler Stadthalle gab es Rufe aus dem Publikum, sie solle den Saal verlassen. Und König? Man merkte ihm an, dass er trotz gelungener Bemühungen, die Situation in sein Programm zu integrieren, das nicht so lustig fand.

Doch wäre er ein Dramaturg und sein Auftritt ein Bühnenstück, dann würde die Dame in sein Konzept passen. Denn die Metaebene ist ein substanzieller Bestandteil seines Programms „Total Bock auf Remmi Demmi“. Dabei werden zwei Zielgruppen bedient. Wer sich bei Mr. Bean den Notarzt bestellen muss, der fühlt sich genauso angesprochen wie der intellektuelle Querdenker, dem das kreative Chaos als Energiequelle dient.

Wenn sich König auf seinem Bühnensofa verbiegt wie eine Stoßstange im Aufpralltest und ankündigt, wegen einer Zerrung die Veranstaltung zu beenden, weiß niemand so recht, was er davon halten soll.

In dieses Verständnis-Vakuum stößt er mit seinen Versen und sorgt für eine Atmosphäre, die von Überraschungen dominiert wird. Sprunghaft wechselt er von der Erklärung eines Kassettenrekorders im Computerjargon („Und das ist das Stop-App“) zu dem Tagebuch über die Geburt seines Kindes und zu den Tipps, wie man mit einem Kassenbon zweimal einkaufen kann.

Mit seiner typisch gebrochenen Satztechnik produziert er Denkhohlräume und inhaltliche Seifenblasen, die trotz schlichter Wortwahl eine poetische Abstrahlung besitzen. Interpretiert man tief in das Geschehen hinein, könnte man die Karikatur der Comedyszene entdecken. Folgt man nur den Augenscheinlichkeiten, hat man schlicht einen lustigen Abend.

Von Andreas Köthe

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