Der Chansonnier Klaus Hoffmann begeisterte sein Publikum

Denn es sind die Lieder

Poesie und Ironie: Klaus Hoffmann. Foto:  Fischer

Lohfelden. Er ist ein Berliner. Einer aus dem alten Westen mit Ku’damm, Mauer und Harald Juhnke. Als es in den Kiezen noch nach Tabak roch und das Leben mit „Treppe ruff, Treppe runter, Treppe ruff“ ausreichend analysiert war. Klaus Hoffmann arbeitet sich zeit seines Lebens ab an diesem Berlin der kleinen Leute, ihn verbindet eine Hassliebe mit dieser Stadt, und die hält bekanntlich am längsten.

Da kann er sein Programm „Spirit 1“ oder „Spirit 2“ nennen, er singt immer wieder und auf gut Deutsch vom Mief und der Hoffnung, von starken Frauen und gebrochenen Nachkriegsvätern, zerschlagenen Hoffnungen und trotzigem Aufbegehren: Wo nichts mehr geht, fängt alles an. Im gut gefüllten Lohfeldener Bürgerhaus war er Teil des „Kulturfrühlings“, den er mit Inbrunst und Ironie heraufbeschwor („Jetzt kommt der ganze Frühlingsquark, und alles geht von vorne los“).

Überhaupt spielte die (Selbst-)Ironie eine nicht unwesentliche Rolle an diesem Abend. Das ewige Kind Klaus Hoffmann wird bald 60 Jahre alt. Und er klagt über Rückenschmerzen, Arthrose und starke Kurzsichtigkeit, um sich gleich darauf wieder zu versichern, wie gut er sich doch gehalten habe. Zornig, trotzig oder sanftmütig, zuweilen arg gefühlig, ist da auch viel von Kindern und Engeln zu hören, gewürzt mit einer Prise Westerwelle-Bashing und Ratzinger-Schelte.

Diese süß-saure Mischung kommt an und ist gefällig. Mal deutscher Jacques Brel, mal alte Kodderschnauze, bewegt sich Hoffmann auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch: ein Seiltänzer, der, immer wenn er abzustürzen droht, seine Lieder findet, die ihm die Balance zurückgeben. Und die sind stark in Intonation und Poesie, schaffen Momente, für die man manch kokettlaunige Redseligkeit gern vergibt und vergisst. „Denn es sind die Lieder, die gaukeln dich davon.“ Das hat er mal wieder geschafft.

Von Ullrich Riedler

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