„Der große Gatsby“ am Jungen Theater Göttingen

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Fröhlich-festliche Fassade: Das Ensemble mit (von links) Constanze Passin, Sascha Werginz, Gintas Jocius, Elisabeth-Marie Leistikow und Jan Reinartz.

Göttingen. Kann man die Vergangenheit wiederholen? „Aber natürlich kann man das!“ Dieser Zuversicht hat Jay Gatsby, der „große“ Gatsby, sein ganzes Leben unterworfen.

In einer Bühnenfassung von Intendant Andreas Döring hat „Der große Gatsby“ nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald im Jungen Theater Göttingen am Samstag seine Premiere gehabt.

Einen so vielschichtigen Roman wie den, als „den“ kritischen Gesellschaftsroman der „Golden Twenties“ in den USA gefeierten, für das Theater zu bearbeiten, ist sicherlich ein schwieriges Unterfangen. Unter der kalten Oberflächlichkeit von Liebe, Leidenschaft, Macht und Geldsucht hat Döring das Lebendige hervorgeholt, die Liebe zwischen Gatsby und Daisy in den Mittelpunkt gestellt und damit auch die Frage nach den Lebenslügen.

Jay Gatsby hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet, seine vor Jahren an den reichen Tom Buchanan (Philip Leenders) verlorene Liebe zurückzugewinnen. Mit dubiosen Geschäften reich geworden, feiert er rauschende Partys in seiner Villa, nur um Daisy zu beeindrucken. Zunächst scheint dies auch zu gelingen, denn die mit ihrer Ehe unzufriedene Daisy lässt sich auf eine neue Liebschaft mit ihm ein.

Gintas Jocius verkörpert beeindruckend Gatsby als einen Mann, der in seinem fokussierten Wahn längst den Blick für die Realität verloren hat. Unaufhaltsam steuert er auf sein tragisches Ende zu, nachdem er die Schuld an einem von Daisy verursachten Unfall, bei dem Toms Geliebte Myrtle ums Leben kommt, auf sich nimmt und von Myrtles Mann (Jan Reinartz) erschossen wird.

Daisy wird von Elisabeth-Marie Leistikow sehr überzeugend als eine sich zwischen Zynismus und Selbstkritik arrangierende Frau dargestellt, die das eigene Lebensglück längst aufgegeben hat. Nick Carraway (Dirk Böther) als Gatsbys Nachbar versucht sich als etwas schnodderiger Beobachter aus dem dramatischen Geschehen herauszuhalten und verpasst es dabei, seine eigene Beziehung zu Daisys Freundin Jordan (Constanze Passin) zu festigen.

Leider weist das Stück einige für das Verstehen nicht notwendige Längen auf und hat auch ein paar kurze im Hintergrund ablaufende Szenen, wie zum Beispiel ein von Gatsby begangener Mord, die unerklärt im Raum stehen. Wettgemacht wird dies jedoch durch die gekonnten Sing- und Tanzeinlagen (Choreografie: Jennifer Helm), die dem Stück immer wieder Schwung und Würze geben.

Sehr gelungen sind die fantasievollen häufig wechselnden Kostüme der Darsteller von Sonja Elena Schröder, die das Flair der Zwanzigerjahre erst recht aufkommen lassen. Einfallsreich ist auch das Bühnenbild von Axel Theune: Neben Tischen, Bar und Klavier im Zuschauerraum ein die eigentliche Bühne ganz einnehmender Reifen, an dem durchsichtige, verschiebbare Tücher herabhängen, die (Ein-) Blicke gewähren, Verborgenes aber auch scheinbar verhüllen.

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus für einen unterhaltsamen Theaterabend.

Wieder am 26., 28. und 30.3., Karten: Tel. 0551 / 49 50 15. www.junges-theater.de

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