„Der König ist tot“: Der Kasseler Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt über seinen Kollegen Bernd Eichinger

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Austausch mit dem Star: Bernd Eichinger (links) beim Dreh zu „Der Name der Rose“ (1986) mit Hauptdarsteller Sean Connery.

Die Filmwelt ist erschüttert: Der Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Bernd Eichinger starb am Montag mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt. Wir sprachen mit seinem Kollegen, dem Produzenten Hubertus Meyer-Burckhardt.

Herr Meyer-Burckhardt, wie haben Sie vom Tod Bernd Eichingers erfahren?

Hubertus Meyer-Burckhardt: Aus dem Autoradio. Es war ein Schock. Sein Verlust ist unbeschreiblich groß. Wir hatten immer wieder zusammen zu tun. Ich dachte etwa an „Mein letzter Film“, den ich 2002 mit Hannelore Elsner produziert hatte. Als ich nach der Premierenfeier die Rechnung bezahlen wollte, hatte er sie schon bezahlt, was mir gar nicht Recht war. So war Bernd Eichinger.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit ihm?

Meyer-Burckhardt: Das war an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, wo ich studiert habe und er ein Seminar gehalten hat. Einen Satz von damals habe ich mir gemerkt: „Wenn Sie Interesse daran haben, Filme zu produzieren, sollten Sie kein Interesse an Ihrem Privatleben haben.“ Er hat sein gesamtes Leben den Filmen untergeordnet.

Das ist eine radikale Haltung. Schlagzeilen machte Eichinger früher auch durch viele Frauen und durchgefeierte Nächte.

Meyer-Burckhardt: Er hat das Leben genossen und radikal gelebt. Es war ein pralles Leben, das im Kreis seiner Familie endete. Er musste nicht leiden.

Was hat ihn als Filmemacher so einzigartig gemacht?

Meyer-Burckhardt: Alles. Er hatte den besseren Riecher für Stoffe, ist größere Risiken eingegangen und hat in Amerika Spuren hinterlassen wie kein anderer Deutscher.

Er hat Filme auch inhaltlich entscheidend mitgeprägt.

Karoline Herfurth und Ben Whishaw in „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“ (2006).

Meyer-Burckhardt: Stimmt, auch hier war Eichinger anders. Er kontrollierte mehr. Bei Dreharbeiten stand sein Produzentenstuhl immer neben dem Regiestuhl. Das ist bei einem Regisseur wie Tom Tykwer und „Das Parfum“ gut gegangen. Bei Oliver Hirschbiegel, der ein toller Regisseur ist, fragte man sich nach „Der Untergang“ jedoch, wer den Film eigentlich inszeniert hat. Es war Eichingers Werk, Hirschbiegel wurde kaum erwähnt. Trotzdem haben die Regisseure mit diesem radikalen Mann zusammengearbeitet: Eichinger war für sie das Ticket in die Champions League.

Was bedeutet sein Tod für den deutschen Film?

Meyer-Burckhardt: Es wird weitergehen, aber der König ist tot. Eine Weile kann man auch ohne König leben.

Sehen Sie einen Thronfolger?

Meyer-Burckhardt: Nein, in seiner Preisklasse nicht.

Stimmen zu Eichingers Tod

Jan Schütte, Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin: „Bernd Eichinger war vielleicht der größte und originellste Filmemacher der deutschen Nachkriegsgeschichte - vielleicht der einzige von Weltformat.“

Til Schweiger, Eichingers Star aus „Der bewegte Mann“: „Sein Tod macht mich unendlich traurig. Das schaffen wir alle nicht, was der Bernd geleistet hat. Und er ist nie genug gewürdigt worden.“

Regisseur Wolfgang Petersen („Die unendliche Geschichte“): „Er war wie ein Bruder, ein Freund und ein Partner für mich, der es mit seiner kreativen Besessenheit unglaublich ernst meinte. Er lebte immer sehr riskant. Aber in den letzten Jahren war er dank seiner tollen Ehe endlich zur Ruhe gekommen.“

Regisseur Oskar Roehler („Elementarteilchen“): „Er war derjenige, der den deutschen Film rausgetragen hat.“

Filmproduzent und Oscar-Preisträger Arthur Cohn („Central Station“): „Er war der repräsentativste Vertreter der Filmindustrie in Deutschland.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Unser Kino verliert mit ihm nicht nur den erfolgreichsten Produzenten der letzten Jahrzehnte, sondern auch seinen leidenschaftlichsten Antreiber und Träumer. Millionen verdanken ihm berührende Filmmomente.“

Klaus Stern, Kasseler Dokumentarfilmer: „Ein leidenschaftlich kämpfender Mensch für seine Stoffe. Allerdings konnte er auch sehr unwirsch sein, wie ich beim Interview zu meinem Film ,Lawine’ feststellte. Zuletzt hatte er mir zugesagt, in meine Filmklasse in die Kunsthochschule Kassel als Gast zu kommen. Danach sollte er seinen Lieblingsfilm im Bali präsentieren. Geplant war der Termin für Dezember, wurde aber verschoben. Nun ist es zu spät.“

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