Volker Schmalöer und Marco Comin über die Händel-Oper „Orlando“ - Premiere am Samstag

„Der soll gefälligst etwas zaubern“

Volker Schmalöer

Kassel. „Es kommt nicht oft vor, dass ich in einer Oper einen richtigen Zauberer habe. Dann soll der auch gefälligst etwas zaubern!“ Wenn Regisseur Volker Schmalöer wenige Tage vor der Premiere über seine Inszenierung der Händel-Oper „Orlando“ spricht, dann ist ihm der Spaß an dieser Regiearbeit anzumerken.

Gleichzeitig bekennt der Oberspielleiter des Kasseler Schauspiels, der pro Spielzeit regelmäßig auch eine Oper inszeniert, dass ihm lange kein Stück solches Kopfzerbrechen bereitet hat wie „Orlando“. Kein Wunder: Es kommt zu unglaublich vielen Verwicklungen und Verwechslungen, und die Figuren erleben ganz außerordentliche Gefühlszustände, aber die Spielhandlung selbst, so Schmalöer, „ist etwas dünn, fast wie bei einer Soap“.

Eigentlich handelt es sich beim Stück über den „rasenden Roland“ (Orlando), der aus verschmähter Liebe den Verstand verliert und nur durch das Eingreifen des Zauberers Zoroastro geheilt wird, formal um eine ernste Oper. Doch Händel selbst sprengt die Form der „Opera seria“ an vielen Stellen. Und Schmalöer hat sich im Zusammenwirken mit dem musikalischen Leiter, Marco Comin, für eine „leichtfüßige, spielerische Lösung“ entschieden.

Ansatzpunkte dafür gibt es viele: Was ist das eigentlich für ein Zauberer, der keineswegs über absolute Macht verfügt? Der vielmehr Orlando in verschiedene Situationen und Konstellationen führt, die seinen Wahnsinn und auch seine Heilung bewirken? Schmalöer sieht hier den Zauberer mit einer Helfertruppe von Genien am Werk, das Ganze spielt sich ab in einer Traumszenerie, die sich am Ende „als Scherzartikel auflöst“.

Händel hat die Männerrollen, darunter die des Titelhelden, für Kastraten geschrieben. Den Orlando sang 1733 der Star-Kastrat Senesino. Heute werden diese Rollen von Frauen gesungen. Bis auf den Zauberer Zoroastro, einen Bass, stehen also ausschließlich Sängerinnen auf der Bühne.

Schmalöer lässt daher Orlando als Frau beginnen, der sich im Lauf der Oper in einen Mann verwandelt. Identitätsfindung als Spiel - das gilt auch für die Schäferin Dorinda. Aus dem naiven Kind wird eine gewitzte Frau, die das Leiden kennen gelernt hat - und deshalb auf die Liebe verzichtet.

Alle diese Gefühlszustände zeichnet Händel in den Arien und begleiteten Rezitativen auf das Spannendste. Auch wer die barocke Affektenlehre nicht kennt, kann die Gefühlszustände dieser Musik entschlüsseln, sagt Marco Comin. Das unterscheide einen Meister wie Händel vom Durchschnitt barocker Musiker. Um die Präsenz dieser Musik zu verdeutlichen und auch um das Zusammenspiel von Orchester und Bühne zu intensivieren, wird der Orchestergraben angehoben: „Die Instrumentalisten können so die Sänger hören - und sie intensiver begleiten.“

Als Jazzfans schwärmen Schmalöer und Comin gemeinsam vom Swing der Musik Händels. Aber auch von ihren Sänger-Darstellern, die über besonders viel spielerisch-komisches Talent verfügten. Fotos: Ketz/ Fischer/ nh

Georg Friedrich Händel: Orlando. Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

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