Die britische Jazzsängerin Clare Teal tritt mit ihrer Band am 5. August im Kasseler Kulturzelt auf

„Der Song zeigt dir den Weg“

Kassel. Sie wird als Königin des Swing bezeichnet: Clare Teal vergoldet das, was ihr auf die Stimmbänder kommt, eigene Titel wie Klassiker der Jazzgeschichte. Am 5. August tritt die fröhliche 37-jährige Britin im Kasseler Kulturzelt auf.

Ihr erster Kontakt mit Jazzmusik war, als Sie als Kind alte Jazzplatten auf dem Dachboden Ihres Elternhauses entdeckten. Können Sie sich noch an Ihr Gefühl erinnern, als Sie die zum ersten Mal hörten?

Clare Teal: Ich war plötzlich nicht mehr in der Lage, irgendetwas anderes zu tun. Kennen Sie das Gefühl, wenn sich Ihre Nackenhaare aufstellen? Es war das Perfekteste, was ich je gehört hatte. Man muss allerdings dazusagen, dass ich nie das typische Mädchen war, das Popmusik hört.

Journalisten sagen, dass es zu einer der schwierigsten Aufgaben gehört, mit Worten Stimmen zu charakterisieren. Ihre Lieblingssängerin ist Billie Holiday. Wie würden Sie deren Stimme beschreiben?

Teal: Billie Holiday veränderte die Art, wie Menschen sangen, komplett. Ihr Gesang wurde instrumentaler, sie hat durch eine Melodie hindurch-gesungen. Das hatte nie jemand vorher getan. Ihr Gesang war verstörend, man wollte so gern, dass sie lächelt. Aber sie hat nie gelächelt.

Und Ihre eigene Stimme? Sie sagen, dass Sie die erst mit 27 gefunden haben. Woher wussten Sie, dass sie da ist?

Teal: Ich konnte immer gut Gesangsstimmen imitieren und habe beruflich Radio-Jingles aufgenommen - als Madonna, Judy Garland oder Julie Andrews. Das war mein erster Job. Tina Turner war schlecht, das weiß ich noch. Es hat gedauert, bis diese Einflüsse zusammengeflossen sind und daraus mein eigener Stil entstanden ist.

Wie ist es heute für Sie, auf der Bühne zu stehen?

Teal: Heute ist es viel wichtiger, was das Publikum fühlt als ich persönlich. Die Zuhörer auch in Kassel sollen bei mir erleben, welche Kraft Musik hat, dass meine Musiker Spaß haben und richtig gut spielen können. Und auch dass unsere Arbeit aufrichtig ist. Wir möchten eine freundliche, offene Atmosphäre erzeugen.

Millionen Teenager wollen ins Musikgeschäft und nehmen an diesen Casting-Shows teil. Was ist Ihre wichtigste Lektion für sie?

Teal: Ich bin froh, dass ich aus bescheidenen Verhältnissen kam. Ich musste immer arbeiten. Sein eigenes Geld verdienen zu können, ist enorm wichtig. Das gibt Freiheit. Mir war außerdem immer wichtig, dass meine Konzerte Eintritt kosten. Egal wie wenig, aber ich spielte nicht umsonst. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun.

Gut aussehende Sängerinnen sind sehr beliebt bei Plattenfirmen. Warum?

Teal: Gut aussehend - dieser Teil des Satzes war sicher lange wichtig. Aber Jazz hat eine Zukunft, denn heute weiß man wieder, wie aufregend er ist. Und das liegt an iTunes und diesen digitalen Möglichkeiten. Wir hören zwar keine Alben mehr, was schade ist, aber junge Leute lernen so viele Stile kennen wie nie.

Wenn ein Song gut ist, umfängt er die Hörer mit einem eigenen Zauber. Wie erzeugen Sie den beim Komponieren?

Teal: Ich klimpere auf dem Klavier, singe im Auto. Überall habe ich diese kleinen Diktiergeräte dabei. Am wichtigsten ist, für alle Ideen offen zu sein, mal inspiriert mich ein Rhythmus, eine Akkordfolge oder ein Gedicht.

Sie singen den Mamas-and-Papas-Klassiker „California Dreaming“ auf ungewohnt melancholische Art. Wie kommen Sie auf solche Akzente?

Teal: Ich hatte eine Kaffeetasse in der rechten Hand und konnte nur mit der linken am Klavier klimpern. Da musste ich die Harmonien verändern, und das Stück bekam diese Stimmung. Das Wichtigste ist, was der Song mit dir macht. Er zeigt dir den Weg.

Clare Teal gastiert am Donnerstag, 5. August, im Kasseler Kulturzelt an der Drahtbrücke. Beginn: 19.30 Uhr. Sie teilt sich den Konzertabend mit Michael Kaeshammer, dem Jazzpianisten aus Kanada. Karten beim HNA-Kartenservice, Tel.: 0561-203204.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.