documenta-Archiv und Dokumentarfilmfest schließen das Projekt Mediaartbase ab

Detektivarbeit für die Kunst

Besucher erstellen selbst auch Bilder von der documenta: Hier fotografiert Claudia Kuschka aus Gießen inmitten von Cosima von Bonins von der Decke hängenden „Rorschachtests“ bei der documenta 12 im Jahr 2007. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Dass Tante Anna vor Jahren mal die documenta besucht hat, kann für künftige Wissenschaftler wichtig sein. Immer wieder stellen Privatleute ihre Filmaufnahmen dem documenta-Archiv zur Verfügung, sagt Leiterin Dr. Karin Stengel. „Uns geht es nicht darum, wie sich Tante Anna vor der Kunst bewegt hat, sondern wir können zum Beispiel sehen, wie die Bilder aufgehängt waren.“ Davon gibt es oft nur unzureichende offizielle historische Quellen.

Für die Digitalisierung und Sicherung der Archivmaterialien haben das Kasseler documenta-Archiv und das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest seit 2009 an einem bundesweiten Digitalisierungsprojekt teilgenommen: Mediaartbase. Heute wird der Kasseler Part abgeschlossen. Die Datenbank mit den digitalisierten Werken aller vier Projektpartner wird im Juni in Karlsruhe freigeschaltet.

Digitale Rohdaten sind zusätzlich intern gespeichert worden - damit diese auch in zukünftige Speicherformate übertragen werden können.

Aus Kassel sind dann etwa 900 Materialien dabei - Filme des Dokumentarfilm- und Videofests, die für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden sollen, TV-Filme aus der Berichterstattung über die documenta und künstlerische Beiträge selbst: Filme, Mitschnitte von Performances, Audioaufnahmen. Gefunden wurde etwa eine Rede Arnold Bodes - der documenta-Gründer spricht in breitem Nordhessisch über die d3.

Das Dokumentarfilmfest hat preisgekrönte Arbeiten, das Werk von Einzelkünstlern, die das Festival über Jahre begleitet haben (etwa Björn Melhus), den Inhalt von Jubiläums-DVDs und eine Liste mit herausragenden Festivalfilmen zusammengestellt, so Leiter Gerhard Wissner.

Bei vielen Funden war Detektivarbeit nötig, erklärt Stengel: Für das Digitalisieren musste teilweise erst recherchiert werden, mit welchem Gerät bestimmte, heute nicht mehr gebräuchliche Bänder oder Platten abgespielt werden können. Erst dann konnten sie gesichtet werden. Und dann mussten die Archivmitarbeiter versuchen zu verstehen, was sie gerade sahen. Zum Teil waren die Funde ganz unbeschriftet.

Mediaartbase hat drei Ziele: Die Kunst soll fürs digitale Zeitalter gesichert werden. Sie soll für die Allgemeinheit sichtbar gemacht werden. Außerdem sollen die vier Projektpartner ihre Erfahrungen mit dem Datenbankanlegen zur Verfügung stellen, damit andere, kleinere Archive später von diesem Wissen profitieren können.

Neben der Recherche und der Klärung der Veröffentlichungsrechte ist die dritte Aufgabe beim Digitalisieren das Beschreiben der Funde. Jedes Video muss so verschlagwortet werden, dass es nach künstlerischen und bibliothekarischen Kriterien korrekt und zugleich mit den richtigen Schlagwörtern weltweit auffindbar ist.

Wissner erwartet für das Dokfest „eine Aufwertung durch die attraktive Plattform“. Er überzeugt die Filmemacher, ihre Arbeiten lieber dort, in einem hochwertigen Umfeld, zur Verfügung zu stellen, als auf Youtube.

Festakt 50 Jahre documenta-Archiv/ Abschluss Kasseler Projekt Mediaartbase: heute, 18 Uhr, Schauspielhaus Kassel.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.