Deutsche Guggenheim: Abschied mit Moderne

Publikumsliebling: Paul Cezannes „Teller mit Pfirsichen“ (1879/80). Foto: Deutsche Guggenheim

Berlin. Die Vision vom Modernen hat in Berlin gerade viel mit Baustellen zu tun. Für die Vollendung der U-Bahn-Linie fünf reißen Bagger seit Monaten die Luxusachse Unter den Linden auf.

Sogar die namensgebenden Bäume mussten ihre Plätze räumen. „Ohne die Linden“, hat irgendjemand auf einem weißen Blatt Papier übers Straßenschild geklebt.

Entlang dieser Baustelle ist jedoch nicht nur die Infrastruktur im Umbruch. Umgeben von Schutthügeln und Presslufthämmern zeigt die Deutsche Guggenheim die Ausstellung „Visions of Modernity“: eine farbsatte Schau mit klangvollen Namen von Kandinsky bis Picasso - und die letzte Ausstellung, bevor die Kooperation zwischen der Deutschen Bank und der New Yorker Solomon R. Guggenheim Stiftung beendet wird.

Die damals einzigartige Liebelei zwischen der renommierten Museumsmarke und dem Kreditinstitut begann 1997, als die Bankfiliale Unter den Linden zum Kunstraum wurde. Mit 350 Quadratmetern Fläche ist die Berliner Dependance der Winzling in der Guggenheim-Familie.

„Ist das etwa alles?“, müssen sich die Kunstvermittler immer wieder von enttäuschten Besuchern fragen lassen. Auch die Architektur des Berliner Gründerzeitpalais kann es nicht mit den spektakulären Bauten in New York und Bilbao aufnehmen. Trotzdem haben fast zwei Millionen Besucher den Weg in die 61 Ausstellungen gefunden.

Die Kooperation versprach Vorteile für beide Geschäftspartner: Die Guggenheim Foundation vergrößerte ihre Reichweite, ohne den Betrieb eines Museums stemmen zu müssen, die Deutsche Bank durfte vom klangvollen Namen und der hochkarätigen Sammlung des New Yorker Kunstimperiums profitieren.

Für die letzte Ausstellung gehen die Kuratoren noch einmal auf Nummer sicher. Nach eher sperrigen Schauen zeitgenössischer Kunst ziehen nun die bewährten Meister der Moderne um 1900 die Besucher an. Am eintrittsfreien Montag kostet es bereits eine halbe Stunde Schlange stehen, um die abstrakten Gemälde von Miró, Paul Klee, Franz Marc und Paul Cezanne zu sehen. Dabei schließt sich auch ein Kreis in der Berliner Guggenheim-Geschichte: Robert Delaunays Bild der Kirche „Saint Severin“ hing schon 1997 in der ersten Ausstellung.

Auch 2013 will die Bank ihre Räume Unter den Linden nicht kunstleer lassen. Unter dem Namen „KunstHalle“ sollen Werke aus der eigenen Sammlung ausgestellt werden. „Global agieren“ nennt Friedhelm Hütte, Leiter der Kunstabteilung der Deutschen Bank, etwas kryptisch sein Konzept. Ob der Umbruch so weitreichend ist wie die Baustelle vor der Tür, wird sich noch zeigen. „Ohne die Linden“ heißt dann auch „Ohne das Guggenheim“. Man wird sehen, ob es fehlt.

Bis 17.2., Unter den Linden 13/15, www.deutsche-guggenheim.de, Tel. 030/202093-0.

Stichwort: Guggenheim

Das erste Museum für die durch Schenkungen und Zukäufe erweiterte Sammlung der Solomon R. Guggenheim Stiftung, 1937 vom gleichnamigen Kunstmäzen und der deutschen Malerin Hilla von Rebay in New York gegründet, wurde dort 1939 eröffnet: das spiralförmige Gebäude des Architekten Frank Lloyd Wright. 1951 gründete Guggenheims Nichte Peggy eine Sammlung in Venedig, die seit 1976 zur Stiftung gehört. 1997 wurde ein Museum in einem Frank-Gehry-Bau in Bilbao eröffnet. Das Siegel Guggenheim ist jedoch kein Garant für Erfolg. Zwei Häuser im New Yorker Stadtteil SoHo und in Las Vegas mussten bereits schließen, Bauprojekte in Vilnius und Abu Dhabi liegen auf Eis, ein erträumter Ableger in Helsinki wurde inzwischen endgültig von der Regierung abgelehnt.

Von Saskia Trebing

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.