Sandra Kreisler trat mit bissigen Chansons und schwarzhumoriger Politsatire im Theaterstübchen auf

Der Deutsche und sein(e) Grillen

Sie gab alles: Sandra Kreisler bei ihrem Auftritt im Theaterstübchen. Foto:  Malmus

Kassel. Politik stinkt, doch ihr Klo blinkt. Sie weiß, wer sitzt, wer steht, wer singt, während er sein Geschäft verrichtet und welche Geschäfte noch so auf dem stillen Örtchen gemacht werden, die später öffentlich im Plenarsaal zum Schein diskutiert werden: Die Klofrau vom Kanzleramt. „Politiker kommen und gehen, aber die Scheiße bleibt gleich“, bemerkt die Dame mit russischem Akzent und Kopftuch, während sie an einem Ärmel näht.

Mit gezielter Beiläufigkeit war Sandra Kreisler am Donnerstagabend auf die Bühne getreten, und das gut besuchte Theaterstübchen war sofort erfüllt von ihrem Charme – so wie sich das eben gehört für eine literarische Chansonnière. Es folgten spitze Politsatire, zynische Einblicke in lasterhafte Beziehungskisten und eine gute Portion schwarzer Humor, wie man das bei einem Georg-Kreisler-Abend erwartet.

Als euphorische Ehefrau glänzte sie in „Mein Mann will mich verlassen – Gott sei Dank!“ und als Todesengel in „Also geben sie Acht!“: Hier träumt die Erzählerin vom Ableben ungeliebter Chefs, Nachbarn und Vermieter, die tatsächlich kurz darauf verscheiden. Doch plötzlich sieht sie sich im Spiegel, kann sich nicht leiden und geht nun nicht mehr schlafen, weil sie womöglich von ihrem eigenen Tode träumen könnte.

Doch Sandra Kreisler, Tochter des berühmten Wiener Komponisten und Schriftstellers, geht auch eigene künstlerische Wege. Ein Teil der Lieder, die sie mit viel schauspielerischem Talent in Begleitung von Pianist Jarkko Riihimäki zum Besten gab, entstammte der eigenen Feder und der ihres Mannes Roger Stein. So zum Beispiel eine köstliche, literarisch-philosophische Abhandlung über die deutsche Vorliebe zum Grillen, in der Goethe und Schiller auf dem west-östlichen Divan sitzen und sich um die Wurst streiten und auch Kant und Nietzsche ihren Senf abgeben. Oder ein vom Leben in Berlin-Kreuzberg inspirierter Song über pensionierte Punks, die den guten alten 80ern nachtrauern. Viel Applaus.

Von Carolina Rehrmann

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