Der deutsch-türkische Comedy-Rocker Bülent Ceylan in der Kasseler Stadthalle

Den deutschen Opa verarbeiten

Der König im Comedy-Staat: Bülent Ceylan überzeugte in Kassel nicht alle Besucher in der Stadthalle. Foto:  Schachtschneider

Kassel. „Ich bin so guud druff“. „Ist das geil“. Ausrufe des Entzückens brachte Bülent Ceylan am Sonntag in der ausverkauften Kasseler Stadthalle ständig. Besonders am Ende seines Programms. Fünf Besucher holte er auf die Bühne, alle mit langen Mähnen. Hardrock-Musik dröhnte aus den Boxen. Begleitet von den Mähne-schüttelnden Besuchern gab er nun den singenden Hardrock-Star. Die Illusion war fast perfekt. Doch nicht ganz. Denn seiner Aufforderung: „Jetzt alle aufstehen, Hände hoch und mitklatschen“, kamen die Besucher nur zurückhaltend nach.

Wie das Ende so der Anfang: Blitz, Donner, Hardrock-Klänge. Dazwischen die Comedy eines Mannes, der es sich zum Spaßkonzept gemacht hat, seine deutsch-türkische Abstammung mit Mannheimer Schnauze auf die Schippe zu nehmen: „Isch muss meine deutsche Opa verarbeide. Deswegen mach isch Comedy“. Zur Begrüßung: „Sind Türken hier? Auf der Empore? Muppet-Show-Türken.“ Derzeit gehört er zu den Königen im Comedy-Staat. Warum das so ist, lässt sich in der Stadthalle mehr vermuten als begründen. Der energiegeladene Künstler, der gerne die Muskeln und den Macho spielen lässt, brachte seine Zuschauer zum Lachen - doch nicht alle.

Seine Zoten erinnerten mehr an eine Unterhaltung im kleinen Kreis. Das hatte Charme. Aber die Qualität der Pointen? Die zündeten nur bei seinen Geschichten über seine deutsch-türkische Kindheit oder wenn er in seine Bühnenfiguren schlüpfte: Aslan, der Gemüsehändler, die Pelzhändlerin Anneliese oder „Momphfred“, der rassistischen Hausmeister. Da hatte Ceylan seine starken Momente.

Der Rest aber? Sex, Zoten, Hitler-Parodien und Beliebigkeiten. Doch viele im Publikum nahmen ihm einfach alles ab.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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