Science-Fiction-Serie Perry Rhodan wird 50 Jahre alt

Ein deutscher Held

Wir Terraner haben Perry Rhodan einiges zu verdanken: Der smarte Groschenheft-Astronaut verhinderte den Dritten Weltkrieg, einte die Menschheit und sorgte dafür, dass wir unter allen Bewohnern der Milchstraße von „Kategorie C“ (eher primitive Lebensform) immerhin um einen Rang im galaktischen Intelligenz-Ranking hochgestuft wurden.

50 Jahre ist es mittlerweile her, dass im Moewig-Verlag im September 1961 der erste „Perry Rhodan“-Heftroman mit dem Titel „Unternehmen Stardust“ erschien. Als „größte Science-Fiction-Serie der Welt“ betiteln ihre Macher die Weltraum-Saga heute, und tatsächlich hat sich das „Perryversum“ im vergangenen halben Jahrhundert stetig erweitert. Über 2600 Ausgaben der wöchentlich erscheinenden Heftromane sind bereits erschienen. Damit ist die „Perry Rhodan“-Serie nach Angaben des Verlags das langlebigste Produkt der deutschen Nachkriegsliteratur im Bereich Science-Fiction.

An dessen Machart hat sich nicht viel geändert: „Perry Rhodan“ kann getrost noch immer als Groschenroman bezeichnet werden, der auf dünnem Papier die Geschichte eines Astronauten erzählt, welcher als erster Mensch den Mond betrat, dort auf eine außerirdische Zivilisation traf und seitdem dank relativer Unsterblichkeit fast 3000 Jahre Menschheitsgeschichte erlebt hat. Die Fans eint seit jeher die Begeisterung für die Weiten des Weltraums, auf den angesichts einer zunehmend erschlossenen und rationalen Welt die alten Visionen von Frieden und der Einigung der Völker projiziert werden.

Als einsamer Space-Cowboy wandert Rhodan rastlos durch das All und lebt stellvertretend für 80 000 wöchentliche Leser den Traum des heldenhaften Eroberers. Seine Erfinder schufen mit Perry Rhodan ein Produkt der deutschen Nachkriegszeit, gerade in ihren Anfangsjahren sah sich die Serie mit Faschismus-Vorwürfen konfrontiert: Rhodan, der mit Waffengewalt zum Führer eines galaktischen Reiches aufstieg, war für Kritiker eine zu heikle Kompensation des deutschen Kriegstraumas.

Wie die Verfasser wechselte jedoch auch der Grundtenor der Serie, mit Autor William Voltz schlug Perry Rhodan in den 80er-Jahren einen eher ökopazifistischen Kurs ein. Statt roher Eroberungszüge stand nun die Sinnsuche des Titelhelden im Vordergrund der Handlung.

Kinder ihrer Zeit

Einen politischen Anspruch habe die Serie nie gehabt, sagt Klaus Bollhöfener vom Pabel-Moewig-Verlag. Dennoch seien alle Autoren „Kinder ihrer Zeit“, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit in ihre Tätigkeit einfließen ließen, „bewusst oder unbewusst“. Perry Rhodan ist eine Geschichte der Entwicklung des deutschen Zeitgeistes.

Eine Geschichte, die noch nicht zu Ende ist: Der Verlag plant für den 30. September die erste Ausgabe von „Perry Rhodan Neo“, in der die alte Handlung neu interpretiert und in die Zukunft versetzt werden soll.

Von Hannah Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.