Hilfsprojekt gegen Ebola

Ein deutsches Lied für Afrika: Band Aid mit Milky Chance

Erste Liga des deutschen Pop: Die Band-Aid-Sänger am Montag im Studio in Berlin mit Initiator und Tote-Hosen-Sänger Campino (vorn, Zweiter von links) sowie Clemens Rehbein von Milky Chance (Dritter von rechts). Foto: Universal

Mehr als 250 Millionen Dollar hat Bob Geldof mit dem Band-Aid-Projekt seit 1984 für Afrika gesammelt. Nun singen auch deutsche Künstler gegen Ebola, auch Milky Chance aus Kassel.

Seit Freitag gibt es eine deutsche Version von „Do They Know It’s Christmas“. Musiker wie Campino und Clemens Rehbein vom Kasseler Duo Milky Chance haben den Song aufgenommen, um Geld für die Ebola-Opfer in Westafrika zu sammeln. Das Stück ist sogar besser geworden als die englische Version, mit dem Bob Geldof und Co. seit Anfang der Woche europaweit die Charts stürmen.

DIE BAND 

Alles begann vor einigen Wochen, als in einem spanischen Hotel das Handy von Campino klingelte. Sein Kumpel Bob Geldof war dran, er wollte aber nicht über Fußball reden, wie der Tote-Hosen-Sänger dachte, sondern über eine Neuauflage von Band Aid. Mit dem Benefizprojekt hat der Ire seit 1984 mehr als 250 Millionen Dollar für Afrika gesammelt. In Großbritannien trommelte Geldof Kollegen wie Chris Martin für Band Aid 30 zusammen. Das gleiche sollte Campino für Deutschland tun.

Danach wählte sich der 52-jährige Düsseldorfer die Finger wund, obwohl er Spendenaktionen uncool findet und „Do They Know It’s Christmas“ für ein „Kitschlied“ hält: „Aber die Sache ist zu wichtig.“ Auch Clemens Rehbein von Milky Chance musste nur kurz überlegen, dann sagte er zu. Als sich am Montag die erste Liga des deutschen Pop zur Aufnahme in Berlin traf, gab es trotz einiger Absagen deutlich mehr Sänger als Textzeilen.

DER SONG 

Den deutschen Text schrieb Campino mit dem Rapper Marteria und Thees Uhlmann. Die Vorgabe war, dass „Ebola“, „Afrika“ und „Weihnachten“ vorkommen, weil es bei Band Aid auch darum geht, dass arme Afrikaner sterben, während wir ein Fest feiern.

Das hätte schief gehen können. Der Text ist dann aber sehr unpeinlich geworden. Im Rap-Teil heißt es etwa: „Und du fliegst nur sechs Stunden weiter / Ärzte, Schmerzen ohne Grenzen / Kleine Jungs in Barcelona-Shirts / Malen ihre Träume an die Wände / Es gibt so viel Zukunft, so viel Vielfalt / In all den 54 Ländern / Doch immer nur dieselben Bilder / Gelbe Schutzanzüge auf allen Sendern.“

Die von Vincent Sorg (Tote Hosen) und Tobias Kuhn (Thees Uhlmann) produzierte Musik hat mehr Rock-Power als das Original und klingt auch weniger nach Castingshow. Im Mutterland des Pop wird man neidisch sein.

DIE KRITIK 

Das Image von Spendenaktionen ist heute schlechter als bei der ersten Band-Aid-Auflage, als es das schreckliche Wort „Gutmensch“ noch nicht gab. Der englische Rapper Fuse ODG, der aus Ghana stammt, sagte Geldof ab, weil die Aktion ein falsches Bild des angeblich hilflosen Afrika verbreite: „Der langfristige Schaden übertrifft den kurzfristigen Nutzen.“ Der Kasseler Clemens Rehbein sagt trotzdem: „Kauft den Song - egal ob er euch gefällt oder nicht.“

„Do They Know It’s Christmas“ gibt es als Download und ab 28. November als Single-CD.

DIE TEILNEHMER

2raumwohnung, Adel Tawil, Andreas Bourani, Anna Loos, Cro, Clueso, Die Toten Hosen, Donots, Gentleman, Ina Müller, Jan Delay, Jan-Josef Liefers, Jennifer Rostock, Joy Denalane, Marteria, Max Herre, Max Raabe, Michi Beck (Fantastische Vier), Clemens Rehbein (Milky Chance), Patrice, Peter Maffay, Philipp Poisel, Sammy Amara (Broilers), Seeed, Silbermond, Sportfreunde Stiller, Thees Uhlmann, Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken.

Von Matthias Lohr

Afrikaner machen sich lustig über Band Aid und haben eine Benefizaktion gestartet: afrikanische Heizungen für Norwegen. Hier das Video:

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