Deutsches Theater Göttingen: Spielplan 2013/14 rund um Goethes „Faust“

Denker und Sucher im Zentrum: Das DT beschäftigt sich mit den Menschheitsfragen. Foto:  Kopietz

Göttingen. Die Göttinger Theater DT und JT haben die Spielpläne für die neue Saison vorgestellt. Es ist die letzte Spielzeit vor einer von der Stadt geplanten Kooperation der beiden Häuser.

Die Sehnsucht nach einem glücklichen Leben und der menschliche Antrieb, einen Sinn im Sein zu suchen, sind die Leitfragen des Spielplans 2013/14 am Deutschen Theater in Göttingen, den Intendant Mark Zurmühle und sein Dramaturgenteam am Mittwoch vorstellten. Es ist die letzte Saison Zurmühles in Göttingen.

„Seit der Aufklärung haben wir Menschen immer mehr darüber nachgedacht“, sagte er, „uns dabei aber umgekehrt vom Trost entfernt.“ Mit den Stichworten „Glaube, Liebe, Fortschritt, Geld“ arbeitet sich der Spielplan durch Epochen und zentrale Menschheitsthemen. Als Ausgangspunkt nimmt das DT beide Teile von Goethes Mammutwerk „Faust“, die im Güterbahnhof gezeigt werden. Auch Elfriede Jelineks Faust-Projekt „Faustin and Out“ wird gezeigt, das nach Gretchen im Kerker schaut.

Die Theaterpädagogik bietet zudem ein Faust-Projekt für Schulen an. Der große Weltengrübler steht zentral für die Suche nach Sinn, Fortschritt, Liebe, aber auch Geld.

Persiflierend greift das musikalische Stück das Thema der Spielzeit auf: Im Musical „The Rocky Horror Show“ gibt es einen Wissenschaftler, der einen künstlichen Mensch schafft – Fortschrittsglaube und Liebessuche werden auf kultige Weise satirisch auf die Bühne gebracht.

Die Bearbeitung des Films „Die Verdammten“ von Luchino Visconti im Stück „Der Fall der Götter“ behandelt ebenfalls eine Art Teufelspakt: Den einer Industriellenfamilie mit dem nationalsozialistischen Regime.

Einen Wissenschaftler zwischen Verantwortung und politischem Druck zeigt Bertolt Brecht in „Leben des Galilei“, einen grüblerischen Kriminalkommissar auf Wahrheitssuche Friedrich Dürrenmatt in „Das Versprechen“. Friedrich Schiller stellt in „Die Jungfrau von Orleans“ eine Sinnsucherin ins Zentrum, die sagt, sie sei von göttlicher Macht zum Freiheitskampf angetrieben.

Das DT vergibt in der nächsten Spielzeit einen Stückauftrag, der sich mit einer Göttinger Persönlichkeit beschäftigt: Tina Rahel Völcker schreibt über die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé, die in der Uni-Stadt 1914 eine psychotherapeutische Praxis eröffnete und wegen ihrer Männerbekanntschaften umstritten war.

Zwei Premierentitel hält das Leitungsteam noch offen - um auf aktuelle Fragen reagieren zu können.

Die Premieren des Deutschen Theaters:

• 28.9. „Faust“ I und II von Johann Wolfgang von Goethe

• 5.10. „Das Versprechen“ nach Friedrich Dürrenmatt

• 26.10. „The Rocky Horror Show“ von Richard O’Brian

• 21.10. Neues Stück über Lou Andreas-Salomé von Tine Rahel Völcker (UA)

• 16.11. „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens

• 25.1.2014 „Der Fall der Götter“ nach dem Film von Luchino Visconti

• 22.2. Eine Komödie - Titel steht noch nicht fest

• 22.3. „Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller

• 26.4. „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth

• 17.5. „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht

• 21.6. Der Titel der letzten Premiere steht noch nicht fest

Gespenster und Hochstapler

Das Junge Theater stellt einen erfrischenden Spielplan für die Saison 2013/14 vor

Göttingen. „Das ,jung’ im Namen unseres Theaters ist programmatisch gemeint“, sagt Udo Eidinger, neuer künstlerischer Leiter am Jungen Theater Göttingen, und er hält Wort: Gemeinsam mit Eva-Maria Baumeister hat er für die Saison 2013/14 einen Spielplan erstellt, der nur so strotzt vor Experimentierfreude und frischen Ideen.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Stadt Göttingen selbst, die immer wieder in Stücke eingebunden wird. Den Auftakt macht am 5.9. ein Klassiker in neuem Gewand: Mit „Gespenster in Göttingen“ inszeniert Eva-Maria Baumeister Ibsens Familiendrama mit erweitertem Blickwinkel. Als neue Figur wird die Göttinger Femme fatale Lou Andreas-Salomé eingeführt. Mit Etchells „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ feiert am 19.10. ein Stück Premiere, in dem Kinder und Jugendliche typischen Erwachsenen-Sätzen eine humorvolle Note verleihen.

An Kinder richtet sich auch ein Projekt mit dem Figurentheater Walter und Kollegen!, das unter dem Titel „Wer glaubst du was?“ am 20.10. uraufgeführt wird und nach dem Sinn des Lebens fragt. In den Göttinger Stadtraum verlegt wird die Produktion „Frauennachttaxi“ (9.11.) von Udo Eidinger und Christian Mahlow. Als weiteres Kinderstück wird „Tom und Huck“ gezeigt, das ab dem 30.11. von Emanzipation, Freiheitsdrang, aber auch von Rassismus erzählt. Viel Heiterkeit verspricht Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ (30.11.) unter der Regie von Tim Egloff.

In Baumeisters Inszenierung „Der Hals der Giraffe“ (30.01.) nach dem gleichnamigen Roman von Judith Schalansky spielt Agnes Giese die Rolle der gestressten Lehrerin. Eine spannende Synthese zweier gerissener Berühmtheiten zeigt „Krull/Ripley - Aus dem Leben zweier Hochstapler“ (1.2.), inszeniert von Jan Langenheim. Um bizarre Verstrickungen dreht sich auch „Edgar und Annabel“ (5.04.) unter Regie der Gruppe Prinzip Gonzo.

Weiterer Höhepunkt: Ein Projekt zu den Göttinger Händel-Festspielen soll Oper mit Schauspiel konfrontieren.

Von Hannah Becker

Die Premieren des Jungen Theaters:

• 5.9.: „Gespenster in Göttingen“ von Henrik Ibsen und Daniela Dröscher.

• 19.10.: „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ von Tim Etchells.

• 20.10.: „Wer glaubst du was?“ von Juliane Blech

• 9.11.: „Frauennachttaxi“ von Christian Mahlow und Udo Eidinger

• 16.11.: „Tom und Huck“ nach Mark Twain (Kinderstück).

• 30.11.: „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo

• 30.1.2014: „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky

• 1.2.2014: „Krull/Ripley - aus dem Leben zweier Hochstapler“ nach Thomas Mann und Patricia Highsmith

• 5.4.2014 : „Edgar und Annabel“ von Sam Holcroft

• 31.5.2014: Opernprojekt

JT: Doppelspitze

Udo Eidinger und Eva-Maria Baumeister werden den Intendanten Andreas Döring in Personalunion ersetzen, der nach Ablauf der Spielzeit Ende Juni seine Tätigkeit beenden und nach Celle wechseln wird. „Das ist eine Interimslösung, eine die Kontinuität in einer Phase der Veränderung gewährleistet, aber auch den Mut für neue Themen aufbringen soll“, sagte der Aufsichtsratvorsitzende des JT, Dr. Harald Noack. Eva-Maria Baumeister und Udo Eidinger gehören bereits zum Leitungsteam. Eidinger ist Dramaturg und Baumeister führte bereits Regie. (tko)

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