Deutschlands größter weiblicher Popstar: Alle lieben wieder Nena

Nena ist gut: Das Album-Cover zeigt ein Nena-Porträt, das von ihrer Tochter Larissa Kerner stammt – sie ist Teil des Künstlerduos Adameva. Fotos: dpa/Verstärker

Gerade hat Christoph Meyer, der Intendant der Deutschen Oper am Rhein, bekannt, früher in Nena verliebt gewesen zu sein. Der Klassik-Mann sagte: „Wer damals nicht in Nena verliebt gewesen ist, hat was verpasst.“

Damals war 1983, als Nena es mit „99 Luftballons“ bis auf Platz zwei der US-Billboard-Charts schaffte. In den 90ern wurde es ruhiger um die gebürtige Hagenerin, die eigentlich Susanne Gabriele Kerner heißt. Sie galt immer noch als Deutschlands größter weiblicher Popstar, aber wenn man ihr als Interviewer Fragen stellte, antwortete sie meist sehr oberlehrerhaft. Wie konnte jemand für diese, sorry, Zicke geschwärmt haben?

Nun ist es Zeit, sich neu zu verlieben. Als Jurorin der Pro-7--Show „The Voice of Germany“ steht die 52-Jährige für die einzige ernst zu nehmende Castingshow im deutschen Fernsehen. Und ihr gerade erschienenes 17. Album „Du bist gut“ zeigt die Wahl-Hamburgerin auf „einem Höhepunkt ihres Könnens“, wie der Schriftsteller Tino Hanekamp im Pressetext schreibt.

Der 33 Jahre alte Hamburger, der im Frühjahr in Kassel den Förderpreis Komische Literatur erhielt, ist bislang nicht als Nena-Fan aufgefallen. Nun aber nennt er die vierfache Mutter, die sogar schon Oma ist, „die große Schwester der Nation“. Mit Nena ist es jetzt wieder wie vor ein paar Jahren mit Lena: Alle lieben sie.

Wenn es nicht so blöd klingen würde, müsste man schreiben: „Du bist gut“ ist erwachsen und doch jugendlich frisch, zeitlos schön eben. Die 15 Lieder umfassen elegante Hymnen wie „Besser geht’s nicht“, mitunter krachenden Electro-Pop wie in der Single „Das ist nicht alles“ sowie gefühlvolle Balladen wie „Solange du dir Sorgen machst“. Dort gibt es typische Nena-Erbauungslyrik, die aber gar nicht peinlich ist: „Solange du dir Sorgen machst, was andere von dir denken / solange du nicht selber denkst, gehörst du ihnen und nicht dir.“

Aufgenommen hat die Multiinstrumentalistin das Album mit ihrer 13-köpfigen Band auf Island im Studio der Band Sigur Rós, die von Kritikern und Fans auf der ganzen Welt verehrt wird. „Island hat uns in die Arme genommen, das hört man dem Album an“, sagt Nena.

In einer „Energie des Guten“, wie es die Plattenfirma nennt, ist sogar eine Friedenshymne entstanden. Alles zusammen ist es ein Manifest der Liebe. „Wenn wir leben könnten, was Nena singt“, prophezeit Schriftsteller Hanekamp, „würde die Welt eine bessere werden.“

Nena: Du bist gut (The Laugh & Peas Company).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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