Sein Auftritt war diabolisch gut

Wunderorganist Cameron Carpenter spielte in der Korbacher Kilianskirche

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Extravagant bis in die Haarspitzen: US-Organist Cameron Carpenter in der Korbacher Kilianskirche.

Korbach. Cameron Carpenter gilt als Wunderorganist - völlig zu Recht, wie der 34-jährige US-Amerikaner beim Konzert im Korbach bewies.

„Ein Gespenst geht um“, schrieb die Fachzeitschrift „Musik & Kirche“. Dieses Gespenst hat einen Namen: Cameron Carpenter. Der 34-jährige US-Organist teilt die Musikwelt in glühende Anhänger und in wütende Gegner, weil er versucht, die Orgel aus ihrer Tradition zu lösen, sie zu einem willfährigen Mittel seines wahnwitzigen Virtuosentums zu machen, das man durchaus diabolisch nennen kann.

Und in teuflischem Schwarz und mit seiner neuesten extravaganten Frisur trat Carpenter nun in der Korbacher Kilianskirche auf. Unter seinen Fingern die Kuhn-Orgel aus dem Jahr 2011. Kein Platz blieb leer. Jeder konnte gut sehen, weil eine große Leinwand vor dem Altarraum aufgestellt war, auf die abwechselnd Hände, Füße und eine Gesamtsicht übertragen wurden.

Mit zusammengelegten Händen und nur mit einem Minimallächeln bedankte sich Carpenter bei den mehr als 600 hellauf begeisterten Zuhörern und Zuschauern für die huldigenden Ovationen. Etwas Priesterliches hatte dies. Das gehört zur Show, die der Wunderorganist in dem mittelalterlichen Kirchenraum allerdings nicht auf die Spitze trieb.

Und wie spielte er nun? Seine Interpretationen von Werken Bachs, Liszts, Duprés, sogar Messiaens unkonventionell zu nennen, wäre eine gewaltige Untertreibung. Irrwitzige Tempi gab es, ständige Registerwechsel, gleichzeitiges Spiel mit einer Hand auf zwei Manualen, ein Pedalspiel wie bei einer Tarantella, huschige Läufe, getürmte Akkorde.

Die verborgensten Geheimnisse der Maschine offenbarten sich, wurden Klang oft am Rande des Schmerzes. Doch Carpenter kann auch anders. Die Fuge in Bachs BWV 542 nahm er ohne einen einzigen Registerwechsel wunderschön und gelassen, fernab der sonst angewandten Klangalchimie.

In der Pause scharten sich vor allem männliche Besucher um das schlafende Orgeltier, rätselten, diskutierten, fotografierten. Keiner, der diesem Konzert beiwohnte, wird die Kiliansorgel wieder so sehen und hören wie vorher.

Von Johannes Mundry

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