Florentiner Familienclan im Mittelpunkt

Die Medici: Spektakuläre Ausstellung in Mannheim

Aus den Uffizien in Florenz: Das Porträt von Isabella de’ Medici Orsini, gemalt von Alessandro Allori (1575-1599). Fotos: Reiss-Engelhorn-Museen

Mannheim. Mit der Totenruhe ist es in der Kirche San Lorenzo von Florenz nicht weit her. Davon kann die berühmte Familie de’ Medici ein Lied singen. Sie ließ sich das Gotteshaus zur Grablege ausbauen. Seit 1559 kam es zu mehreren Exhumierungen zu Forschungszwecken.

Die jüngsten Untersuchungen laufen seit 2004 unter dem Titel „Medici-Projekt“. Wissenschaftler sehen in den Särgen nach dem Rechten, stellen Diagnosen über Krankheiten und Todesursachen, leiten Restaurierungen beschädigter Gräber in die Wege und fahnden nach vermissten Familienmitgliedern.

Blick hinter die Kulissen

Die Forschungsergebnisse werden in einer spektakulären Schau präsentiert. Sie verspricht in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen einen Blick hinter die Kulissen der Macht. Vom Stammvater Giovanni di Bicci (1360-1429) zu Anna Maria Luisa (1667-1743), mit der das Geschlecht ausstarb, werden 31 Mitglieder anhand von 200 Exponaten vorgestellt. Meist mit einem zeitgenössischen Porträt, dem Abguss des Schädels und einigen aussagekräftigen Objekten. Computeranimationen berichten über Krankheiten und Todesursache.

Porträt von Lorenzo de’ Medici von Agnolo Bronzino (1565).

Mit ihrem Bank- und Handelshaus stiegen die Medici zum führenden Geschlecht von Florenz auf und münzten ihren Reichtum in politische Macht um. Sie stellten im 16. Jahrhundert zwei Päpste (Leo X. und Clemens VII.), stiegen unter Cosimo I. (1519-1574) zu Großherzögen der Toskana auf, heirateten in das französische, spanische und habsburgische Herrscherhaus ein. Ihren Ruhm haben sie sich als Förderer der Künste und Wissenschaften erworben. Zu den Schützlingen Lorenzos des Prächtigen (1449-1492) etwa zählten Leonardo da Vinci, Sandro Botticelli und Michelangelo. Durch sein Mäzenatentum wurde er zu einem der Wegbereiter der Renaissance. Doch der glanzvolle Lorenzo hatte eine leidvolle Krankengeschichte. Wie viele aus seiner Familie litt er am sogenannten Medici-Syndrom: einer Kombination aus Arthritis, Wirbelsäulenversteifung und Schuppenflechte.

Das Medici-Projekt wartet mit bemerkenswerten Erkenntnissen auf. Zum Beispiel über Großherzog Francesco I. (1541-1587). Bekannt war, dass er mit seiner zweiten Gattin eines qualvollen Todes starb. Nun wurde Arsen festgestellt. Wurde er von Ferdinando I. (1549-1609), der ihm als Großherzog folgte, vergiftet?

Die Letzte aus dem Großherzogsgeschlecht, Anna Maria Luisa, hat mit Kurfürst Johann Wilhelm II. von Pfalz-Neuburg (1658-1716) eine kinderlose, aber glückliche Ehe am Regierungssitz Düsseldorf geführt. Nach seinem Tod kehrte sie nach Florenz zurück. Ihr Sarg wurde im Oktober 2012 geöffnet. Wie seit der Exhumierung von 1857 bekannt, saß auf ihrem Schädel eine Krone. Als „sensationelle Entdeckung“ feiern die Wissenschaftler deren Identifizierung als Kurfürstenkrone ihres Gatten. Ausgestellt ist eine auf Hochglanz gebrachte Nachbildung.

Bis 28. Juli, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Tel. 0621-2933150, www.medici2013.de Katalog (Verlag Schnell & Steiner) im Museum 24,90 Euro (Buchhandel 34,95 Euro).

Von Veit-Mario Thiede

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