In Bad Hersfeld schließt die Theatersaison mit einer negativen Bilanz - Weniger Besucher als erwartet

Dickes Minus zum Festival-Ende

Ist mit dem Ensemble zufrieden: Hersfelder Intendant Holk Freytag. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Negative Bilanz bei den Bad Hersfelder Festspielen. Die Besucherzahl insgesamt ist zwar mit 82.000 so groß wie im Vorjahr. Doch sie blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

In den die Haupteinnahmen bringenden vier Produktionen in der Stiftsruine sind statt der kalkulierten 93.000 nur 68.000 Karten verkauft worden. Im Vorjahr waren es 69.277 Besucher bei kalkulierten 85.400. Das Theaterfestival endet somit mit einem Defizit von „mehreren hunderttausend Euro“, sagt Verwaltungsdirektor Karl Schmidt. Spekulationen, wonach das Minus über eine Million Euro beträgt, nennt er „zum jetzigen Zeitpunkt unseriös“. Morgen geht die achtwöchtige Festspielsaison zu Ende.

Der Festival-Etat betrug in diesem Jahr 5,05 Millionen Euro. Bis direkt nach den Premieren von Schillers „Wilhelm Tell“, Maxim Gorkis „Sommergäste“ und dem Musical „Carmen“ waren 61.000 Karten verkauft, das heißt, während der laufenden Saison sind nur noch rund 7000 weitere Tickets für die Stiftsruine über den Tresen gegangen.

Der neue Intendant, Holk Freytag, gibt seiner ersten Saison bilanzierend die Note zwei mit Minus. Er habe keinen Grund, sich über die künstlerische Qualität der Produktionen zu beklagen, man habe kein Stück in den Sand gesetzt und hatte ein tolles Ensemble, sagt er. „Auf der anderen Seite ist es uns offensichtlich nicht gelungen, so an die Menschen heranzukommen, dass eine so großartige Inszenierung wie die Sommergäste ein angemessen großes Publikum findet.“ Die Auslastung dort lag bei unter 50 Prozent. Andere Auslastungszahlen werden nicht bekannt gegeben, so Schmidt.

Als Grund für den mäßigen Zuspruch macht Freytag einen „bundesweiten Trend“ aus: „Das Schauspiel wird immer mehr zurückgedrängt.“ Der 66-Jährige will trotzdem nicht nur auf die musikalischen Stücke setzen: „Die Ruine darf kein Musicaltheater werden.“

Fürs kommende Jahr plant er eine Reihe von Veränderungen: Die Festspiele sollen mit dem Familienstück eine Woche später als bisher eröffnet werden: am 18. Juni. Unmittelbar darauf folgen wird das Musical. Hier steht der Titel schon fest: Gezeigt wird „Sunset Boulevard“ mit Helen Schneider in der Hauptrolle. Die Schauspielproduktionen sollen in der anschließenden Woche folgen, so Freytag. Welche Dramen gespielt werden, und bei welchem Stück der Intendant selbst Regie führt, ist nicht entschieden.

Dass die Zahl der Vorstellungen (2010: 66) reduziert werden wird, steht fest, unklar ist, so Schmidt, ob das über weniger Tage mit Doppelvorstellungen oder mit weniger Festspieltagen erzielt werden soll. Auf jeden Fall will der Intendant Sponsoren anwerben und dafür „Klinken putzen“ gehen. (fra/kai/sob)

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