Interview: Sänger Stefan Zauner über seine Band Münchener Freiheit und das Leben auf Ibiza

„Die Arbeit ist überall dieselbe“

Das Schöne an der Münchener Freiheit ist, dass sich ihre Lieder auch nach 30 Jahren noch so anhören wie zu Beginn ihrer Karriere. Mit ihren harmonischen Songs, die keine Scheu vor Pop-Bombast haben, kommen sie nach Kassel (12. März) und Göttingen (17. März). Wir sprachen mit Sänger Stefan Zauner (58).

Herr Zauner, bis zu Ihrem sechsten Lebensjahr haben Sie in Göttingen gelebt. Freuen Sie sich, in Ihre alte Heimat zurückzukehren?

Stefan Zauner: Auf jeden Fall. Ich war lange nicht mehr dort. Wenn ich an meine Kindheit in Göttingen denke, habe ich das viele Grün vor Augen. Vielleicht klappt es diesmal, dass ich meine Verwandten treffe.

In München lernten Sie Grafiker, wurden dann aber Musiker.

Zauner: Stimmt, als Beruf habe ich Grafiker nie ausgeübt. Dafür habe ich Werbefilme meines Vaters mit Musik unterlegt und so Blut geleckt. Unser erstes Demo wurde von der Ariola sofort angenommen. Schon zwei Jahre nach der Gründung konnten wir von den Auftritten leben. In unseren besten Zeiten haben wir 32 000 Platten am Tag verkauft. Von unserem letzten Album „Ohne Limit“ waren es insgesamt gerade einmal 50 000.

Anfang der 90er war die Münchener Freiheit eine Marke im deutschen Pop. Wieso sind Sie dann nach Ibiza gezogen?

Zauner: Damals war das Bestechende, dass man ein Riesengrundstück mit Pool haben konnte. Eigentlich konnten sich so etwas nur Millionäre leisten. Ich konnte es mir leisten, auch wenn ich kein Millionär war. Um das ganz große Geld zu verdienen, hätte ich klüger sein müssen.

Am Ende hat das Riesengrundstück Sie doch nicht glücklich gemacht. Vor zwei Jahren sind Sie wieder in die Nähe von München gezogen.

Zauner: Irgendwann stellt man fest, dass das Meer und der Himmel zwar schön sind, die Arbeit aber dieselbe ist. Und für jede Bewegung muss man ins Flugzeug. Das ist nervig.

Stört es Sie, dass viele Ihre Musik immer noch mit Schlager verbinden und Sie bei Carmen Nebel auftreten müssen?

Zauner: Früher hätte mich das mehr gestört. Wo soll man heute sonst auftreten? Früher waren wir im „Beat Club“, bei „Top Of The Pops“ und anderen Riesen-Events. Heute gibt es nur noch „Wetten, dass ..?“ und Carmen Nebel. Und bei MTV sitzen Redakteure, für die wir irrelevant sind.

Andererseits werden Sie auch von jüngeren Bands wie Blumfeld und Virginia Jetzt! bewundert. Macht Sie das stolz?

Zauner: Schon. Diese Bands haben ja auch unsere Musik gemacht: deutsche Pop-Songs, die sehr harmonisch sind.

Ihre Texte sind so harmonisch wie die Melodien. Wird es von der Münchener Freiheit auch mal Gesellschaftskritik geben?

Zauner: Zu den meisten unserer Songs würde das nicht passen. Melodie und Text müssen eine Einheit bilden. Wir hatten mal das Lied „Ihr kommt zu spät“, in dem es um die Umwelt ging. Das war kein Erfolg. Anscheinend wird so etwas von uns nicht so gemocht.

Münchener Freiheit live: 12. März Stadthalle Kassel, 17. März Stadthalle Göttingen. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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