Interview: Action-Star Michelle Yeoh spielt die burmesische Politikerin Aung San Suu Kyi in „The Lady“

„Die Aura dieser Frau erfassen“

Die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht im Zentrum eines Spielfilms von Action-Regisseur Luc Besson. „The Lady“ kommt am Donnerstag ins Kino und erzählt von der Politikerin, die seit 1988 gegen das dortige Militärregime kämpft und fünfzehn Jahre als Dissidentin unter Hausarrest gestellt wurde, der erst im November 2010 aufgehoben wurde. Die kompromisslose Streiterin für ein demokratisches Burma wurde in ihrem Land und weit darüber hinaus zur Leitfigur des friedlichen Widerstandes.

Dem internationalen Publikum sind Sie vor allem als Action-Schauspielerin bekannt. Was hat Sie an dieser ganz und gar gewaltfreien Rolle gereizt?

Michelle Yeoh: Einer solch vielschichtigen Figur begegnet man als Schauspielerin nicht jeden Tag. Diese Rolle wollte ich unbedingt spielen. In den Actionfilmen waren Pistolen und Gewehre oder meine Arme und Beine die Waffen, mit denen ich kämpfte. Suu Kyi kämpft allein mit der Waffe des Glaubens an eine gerechte Sache. Die größte Herausforderung an der Rolle war, die Aura dieser Frau zu erfassen, die sich vollkommen unbewaffnet ihren Weg durch eine Reihe von Soldaten mit Gewehr im Anschlag bahnen konnte. Die Ruhe in ihrem Gesicht zeigte den Soldaten, dass von ihr keine Gefahr ausging - und dass sie ihr nichts anhaben konnten.

Woher speist sich die, wie Suu Kyi es nennt, „Freiheit von Angst“?

Yeoh: Diese Lebensphilosophie ist vom Buddhismus geprägt. Suu Kyi wurde von den Lehren Gandhis stark beeinflusst. Sie glaubt fest daran, dass tiefgreifende Veränderungen nicht durch ein Blutbad erreicht werden können. Suu Kyi stand fünfzehn Jahre unter Hausarrest. Sie hätte das Land verlassen können. Niemand hätte sie kritisiert, wenn sie zu ihrem schwerkranken Mann und den Söhnen nach England gegangen wäre. Aber sie war immer der Überzeugung, dass Politiker bei ihren Leuten sein müssen. Suu Kyi spricht auch nie von einem Opfer, sondern von einer Wahl, die sie getroffen hat.

Wie viele Opfer mussten Sie für Ihre filmische Karriere bringen - immerhin haben Sie sich in der Männerdomäne von „Martial Arts“ und Actionfilmen ganz weit nach oben geboxt.

Yeoh: Ich bin in die Welt des Actionkinos nicht hineingegangen, weil ich mich in einer Männerdomäne beweisen wollte. Mich hat diese körperliche Form des Filmemachens einfach interessiert. Da ging es mir allein um mich. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und es mit Training und Disziplin verfolgt.

Konnten Sie Suu Kyi persönlich treffen?

Yeoh: Ihr Hausarrest wurde erst gegen Ende der Dreharbeiten aufgehoben. Ich wollte sie unbedingt treffen und bin für 24 Stunden nach Burma eingereist. Wir haben nur wenig über den Film gesprochen, aber sie hat uns völlige künstlerische Freiheit eingeräumt.

Was können westliche Politiker von Suu Kyi lernen?

Yeoh: Suu Kyi sagt, dass Lernen immer eine gegenseitige Erfahrung ist. Deshalb ist es auch so wichtig, dass jetzt der politische Dialog in Burma wieder aufgenommen wurde.

Mittlerweile scheint der Demokratisierungsprozess in Burma in Gang zu kommen. Ist Ihr Film von der politischen Wirklichkeit überholt worden?

Yeoh: Nein, an dem, was wir mit dem Film vermitteln wollen, ändert die neue politische Lage nichts. Unser Film zeigt einen historischen Ausschnitt - und wer weiß, vielleicht drehen wir noch eine Fortsetzung.

Von Martin Schwickert

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