„Die Comedian Harmonists“ bei den Gandersheimer Domfestspielen gefeiert

Ziemlich beste Freunde: Die Comeian Harmoinists (von links) Harry (Dirk Weiler), Erich (Jannik Nowak), Roman (Johannes Kiesler), Ari (Oliver Polenz) und Robert (Daniel Dimitrow). Foto: Jelinek

Bad Gandersheim. Mit fast 20 minütigem begeisterten Applaus bei drei Zugaben feierte das Publikum bei hochsommerlichen Temperaturen die ausverkaufte Premiere von „Die Comedian Harmonists“, der letzte Premiere der Bad Gandersheimer Domfestspiele.

Am Ende hatte auch der beschwörend besungene „Ein Freund, ein guter Freud“ nicht mehr ausgereicht, den Zerfall der „Comedian Harmonists“ aufzuhalten, nachdem die Nationalsozialisten die Macht bekommen hatten und drei jüdische Mitglieder die Gruppe verlassen mussten. Einsam, jeder für sich am Bühnenrand stehend intonierten die Sänger resigniert in eine ungewisse Zukunft schauend als Schlusslied „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ und erzeugten bei den Zuschauern eine bedrückende Stille, bevor der Applaus losbrach (Regie Achim Lenz).

Die zunächst hoffnungsvolle, letztlich aber tragische Geschichte der Comedian Harmonists ist bekannt: Passend zum Spielzeitmotto „Mit Dir will ich träumen“ wird von der Vision der sechs Musiker erzählt, die deutschen „Revelers“ zu werden, eine in den 20er-Jahren bekannte amerikanische Gesangsgruppe. Per Zeitungsannonce sucht Harry Frommermann (überzeugend visionär Dirk Weiler) „sehr musikalisch schönklingende Stimmen...“.

Neben dem Klavier, einem Garderobenständer mit Anzügen, wenigen Stühlen und zwei Tischchen steht nur eine Kiste auf der Bühne (Cornelia Brey), aus der heraus Jens Schnarre wunderbar wandelfähig – mit Lachen und Zwischenapplaus begleitet – die Kandidaten beim Vorsingen darstellt.

Nachdem die vier weiteren Sänger (Daniel Dimitrow als Robert Biberti mit wohlklingendem Bass, Oliver Polenz als Ari Leschnikoff, Jannik Nowak als Erich Collin und Johannes Kiesler als Roman Cycowski) und ein Pianist (Gero West als Erwin Bootz) gefunden waren und anderthalb Jahre Proben hinter ihnen lagen, stellte sich der beispiellose Erfolg ein.

Sehr zur Freude des Publikums wurden 20 Lieder der Comedian Harmonists mit viel Gefühl, Humor und scheinbarer Leichtigkeit dargeboten, so dass man sich manchmal mehr in einem Konzert als in einem Theaterstück wähnte. Darunter so bekannte Titel wie „Ein kleiner grüner Kaktus“ unbd „Veronika, der Lenz ist da“, Die Abfolge der Lieder (Dramaturgie Jennifer Traum) ersetzte dabei geschickt so manches gesprochene Wort.

Mit kleinen eingesetzten Spots, wie der verlesenen Zeitungsnotiz, dass Max Schmeling Box-Weltmeister geworden ist, kurzen Dialogen, die Unstimmigkeiten und Versöhnungen in der Gruppe andeuteten, oder dem Auftritt eines Nazi-Schergen, wurde das Publikum elegant durch die Jahre von 1928 bis 1934 geführt.

Bewundernswert vor allem die gesanglichen Leistungen der Schauspieler, die trotz der enormen Hitze das hohe Niveau der Darbietung über die zwei Stunden halten konnte.

Wieder am. 23., 25., 26. und 30. Juli. Karten: Tel. 05382 - 73777.

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