Sabine Wackernagel schafft Hörbuch-Fassungen von Romanen, etwa Theodor Fontanes „Stine“

„Die Figuren sind schön kernig“

Engagiert: Sabine Wackernagel. Foto:  Bretzler

„Vonne unglückliche Liebe kann man sich noch wieder erholen, aber vons unglückliche Leben nich.“

aus Theodor Fontane: „Stine“

Kassel. Mit ihren Hörbuch-Fassungen von Lieblingsbüchern hat sich die Kasseler Schauspielerin Sabine Wackernagel eine Fangemeinde erlesen. Neueste Produktion ist Theodor Fontanes „Stine“. Hartmut Schmidt spielt dazu die Klavierbegleitung. In der Novelle aus dem Berlin des 19. Jahrhunderts geht es um die proletarische Witwe Pittelkow, die sich mit ihrer Schwester Stine mit der Doppelmoral ihres adligen Herrenbesuchs auseinandersetzen muss.

Was bedeutet die Novelle „Stine“ Ihnen?

Sabine Wackernagel: Fontane ist einer meiner Lieblingsautoren, seine Sprache hat einen tollen Realismus, eine Genauigkeit. Dafür habe ich als Schauspielerin ein Ohr. Seine Figuren sind schön kernig.

Schon Ihr Lesestil zeichnet kleine Porträts, wie legen Sie die Figuren akustisch an?

Wackernagel: In dem ich die Sätze wieder und wieder spreche. Ich bearbeite die Texte sehr intensiv, schreibe Satz für Satz ab in mein Laptop. Dabei probiere ich jeden Satz so lange aus, bis er stimmt.

Sie kürzen die Texte für Ihre Aufnahmen auf etwa 90 Minuten. Wie gehen Sie dabei vor?

Wackernagel: Manchmal lasse ich fünf bis sechs Seiten weg, oder einzelne Sätze. Germanisten werden vielleicht aufschreien, aber ich denke dabei ans Vorlesen. Die Kürzung zieht den Text näher zu mir heran. Und wer die vollständige Fassung will, kann die ja auch kaufen.

Wer ist Ihre liebste Figur?

Wackernagel: Witwe Pittelkow ist mir lieber als Stine. Die Stine ist idealisierend geschrieben, die Pittelkow ist einem näher, vielleicht weil die mit beiden Beinen im Schlamassel steckt. Als Witzfigur mag ich auch den Baron Papageno, der die Doppelmoral verkörpert. Fontane zeigt das, wertet aber nicht. Er haut seine Figuren nie in die Pfanne.

Wie arbeiten Sie das Hintergründige, Ironische heraus?

Wackernagel: Ich stelle das nicht extra heraus. Ich versuche einfach, sehr direkt zu sein, die Ironie kommt dann ohnehin. Ironisch lesen kann man nicht, das machen allenfalls Kabarettisten.

Was planen Sie als Nächstes?

Wackernagel: Wieder Fontane, „Irrungen, Wirrungen“. Dann arbeite ich an einem Schumann-Abend.

Sabine Wackernagel: „Stine“, CD erhältlich über www.sabinewackernagel.de für 11,95 Euro.

Von Bettina Fraschke

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