Axel Hacke liest am Donnerstag in Kassel

„Die Poesie des Irrtums“

Kassel. Mit „Der weiße Neger Wumbaba“ hat Axel Hacke eine Bewegung angestoßen. Hacke hat bereits drei Bücher mit Texten veröffentlicht, in denen Leute schildern, bei was sie sich wie verhört haben.

Zur Person

Axel Hacke

Der Autor ist aber auch für seine Kolumnen „Das Beste aus aller Welt“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung bekannt. Nächste Woche liest Axel Hacke in Kassel.

Herr Hacke, Sie wurden als „Volksschriftsteller“ bezeichnet, weil auch eine Gemüsehändlerin Ihre Kolumnen liest. Wer ist denn Ihr Volk?

Axel Hacke: Ich habe keins. Aber Volksschriftsteller finde ich schön, weil das bedeutet, dass meine Texte nicht nur im Literaturbetrieb gelesen werden. Ich trete damit in Universitäten, aber auch im oberbayerischen Volkstheater auf.

Sie beschäftigen sich mit Verhören und falscher Sprache. Was gefällt Ihnen daran?

Hacke: Dass überraschende Dinge entstehen. Den weißen Neger Wumbaba kann sich niemand ausdenken - der ist einfach da. Da kann man noch so grübeln. Oder der Erdbeerschorsch, der eigentlich ein Erzbischof ist. Das ist, was ich die Poesie des Irrtums nenne.

Was ist Ihr liebstes Sprachmilieu?

Hacke: Die deutsche Sprache hat viele Dialekte. Das Tolle ist: Dialekte führen über die Standardsprache hinaus. Ich lebe in Oberbayern, die Sprache dort ist wunderbar.

Ein Beispiel, bitte?

Hacke: Von einem bestimmten Dorf zum anderen geht man hintri oder auch fiare. Im nächsten Dorf ist das wieder anders. Diese Vielzahl an Präpositionen ist sensationell.

Sie haben sich auch mit dem Slang türkisch-deutscher Jugendlicher beschäftigt. Was zeichnet den aus?

Hacke: Dieses Kiezdeutsch gilt als beschränkt. Das ist aber nicht wahr. Es ist eine witzige und äußerst kreative Jugendsprache, die man beachten muss. Da gibt es Wortschöpfungen wie „Lass’ ma’“ oder „Ich schwör’“, da steckt Kraft und Kreativität drin.

Sprachschützer gelten oft als humorlos. Sind sie einer?

Hacke: Unsere Sprache braucht keinen Pfleger, die ist kein Pflegefall. Was nicht heißt, dass man nicht was für die Sprache tun kann. Das Problem ist nicht Kiezdeutsch.

Sie ärgern sich also nicht über Anglizismen, was für viele ja ein großes Thema ist?

Hacke: Anglizismen haben große Relevanz. Aber sie sind nichts, worüber ich mich aufrege. Man kann sich auch darüber lustig machen. Ich finde es albern, wenn Oliver Bierhoff nur noch mit englischen Ausdrücken um sich wirft. Das ist Angeberei.

Sprachungetüme landen auf Ihrem „Wortstoffhof“. Was ist dort Ihr liebstes Objekt?

Hacke: Auf der Internetseite der Süddeutschen Zeitung hat jemand eine Bildunterschrift zu Fischern entdeckt, die wegen des harten Winters Probleme haben: „Brandenburgische Fischer sind zur Unfähigkeit verdammt.“ Mir gefällt, wie aus diesem Druckfehler etwas entsteht. Das hat einen spontanen, schnellen Witz. Ich kenne viele Menschen, die zur Unfähigkeit verdammt sind - an brandenburgische Fischer dachte ich bisher nicht.

In Ihren Texten kommt ein Axel Hacke vor. Was hat der mit dem Autor Axel Hacke gemein?

Hacke: Diese Parallelwelt ist einfach entstanden, das war nicht beabsichtigt. Es gibt die Ehefrau, Kinder, den sprechenden Kühlschrank. Die Personen haben Eigenschaften, die in den Texten stärker sind als in den Individuen. Axel Hacke in den Texten ist zum Beispiel hypochondrischer als der echte. Die Firma Bosch wollte mal mit mir zusammenarbeiten, weil mein Kühlschrank Bosch hieß. Aber ich hatte kein Interesse.

Axel Hacke liest am Donnerstag, 25. Februar, ab 19.30 Uhr im Kasseler Schauspielhaus. Karten:  0561/1... .

Von Bettina Fraschke

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