Lenny Kravitz im Interview über sein neues Album „Black and White America“, Gott und gute Laune

„Die Rasse war nie ein Thema“

Lenny Kravitz, 47, empfängt die Presse zu Gesprächen über sein neuntes Studioalbum „Black and White America“ in einem sündhaft teuren Strandhotel im kalifornischen Malibu. Der Rockstar ist guter Laune.

Welches Konzept steckt hinter „Black and White America“?

Lenny Kravitz: Ich würde nicht behaupten, dass es ein Konzeptalbum ist. Titel und Titelsong handeln davon, wo ich herkomme, wer ich bin, und was in diesem Land so los ist.

Hatten Sie je Probleme, Ihre Identität als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters zu akzeptieren?

Kravitz: Nein, das ist nun einmal mein Leben. Das, was ich kenne. Die Inspiration kam von einer Doku, über die ich zufällig im Fernsehen gestolpert bin. Menschen in der Provinz beklagten sich heftig darüber, dass ein Afro-Amerikaner Präsident der Vereinigten Staaten ist. Sie sagten, sie würden Obama regelrecht hassen. Diese Menschen waren abstoßend, einfach schrecklich. Zugleich finde ich faszinierend, dass solche Einstellungen überdauern. Ich schrieb dann den Song, der von meinen Eltern handelt und davon, wo wir uns hinentwickeln.

Wohin denn?

Kravitz: Dahin, dass Rassenfragen eines Tages kein Thema mehr sein werden. Es wird ja auch von Generation zu Generation besser.

Haben Sie selbst mit Ihrer Musik dazu beigetragen?

Kravitz: Ja, schon. Nicht nur mit Musik. Auch sonst, als Mensch. Schon als Kind kam ich sehr gut mit allen erdenklichen Arten von Menschen aus. Für mich war das mit der Rasse nie ein Thema.

Sie waren ein geselliger Kerl?

Kravitz: Naja, ich war der Junge, der einfach alle gerne mochte. Die meisten Teenager entscheiden sich ja für eine bestimmte Clique. Ich war nie dieser Cliquentyp, ich war immer sehr kontaktfreudig.

Ist das heute noch so?

Kravitz: Oh ja. Obwohl, seien wir ehrlich: Ich hänge ausnahmslos mit saucoolen Rockstars ab (lacht).

Schließlich sind Sie der Prototyp des coolen Rockstars.

Kravitz: Ach, Sie wären schockiert, wenn Sie alle meine Freunde kennenlernen würden: Ich habe Freunde ohne Geld, ich habe Freunde, die Milliardär sind. 15- bis 90-Jährige. Ich liebe Menschen.

Sprechen wir über die neuen Songs. „Come on get it“, „Stand“ und viele weitere klingen voller Energie.

Kravitz: Stimmt. Das ist ein tierisch glückliches Album. Das erste, auf dem kein einziger Song enthalten ist, den ich aus einem Gefühl des Traurigseins heraus geschrieben habe. Mir geht es gerade so richtig gut. Und wissen Sie, warum? Weil ich meine Einstellung zum Leben verändert habe.

Wie denn?

Kravitz: Ich mache mein Wohlbefinden nicht mehr so abhängig von anderen Menschen oder äußeren Umständen. Ich weiß, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es mir geht. Die Erde ist kein idyllischer Ort - es gibt Hunger, Naturkatastrophen, Kriege. Aber ich muss jeden Morgen aufwachen und mich entscheiden, ob ich trotzdem zuversichtlich und neugierig und positiv sein will. Oder ob mich das Leben herunterzieht.

Sie singen „I fall in Love each Morning“. In wen verlieben Sie sich gerade jeden Morgen?

Kravitz: In mich. Wenn ich aufwache, freue ich mich auf den Tag. Das Alter macht es leichter, gelassen zu werden. Man kann sich mit 47 nicht mehr über jeden Mist aufregen. Das ist Zeitverschwendung. In den 20ern hab ich mich verrannt, versucht, Beziehungen aufrechtzuerhalten, die die Mühe nicht Wert waren.

In „Superlove“ oder „Everything“ singen Sie, dass Sie alles von einer Frau wollen.

Kravitz: Und umgekehrt, mein Lieber, und umgekehrt. Ich verlange viel, und ich bin bereit, sehr viel zu geben. Manchmal stehen mir meine Erwartungen im Weg, das stimmt. Manchmal stehe ich mir selbst im Weg. Trotzdem denke ich, man sollte in einer Beziehung das Bestmögliche wollen. Und geben.

„I can’t be without you“ ist ein glasklares Liebeslied.

Kravitz: Richtig, und ich fühle jedes einzelne Wort. Anders ginge es nicht.

An welche Frau ist denn diese Liebeserklärung gerichtet?

Kravitz: An Gott.

Gott?

Kravitz: Ja! Sie sind überrascht, das wundert mich nicht. Jeder denkt, ich besinge meine Liebe zu einer Frau. Aber ich habe wahrhaftig meine Hingabe gegenüber meinem Erschaffer bekundet.

Auffallend ist der Funk-Anteil. James Brown scheint ein großer Einfluss zu sein ...

Kravitz: ... ein riesiger, ja. Ich habe viele Bläser dabei und hatte noch nie so viel Freude im Aufnahmestudio. Ich konnte aus dem Studio in den Bahamas die Bäume und das Meer sehen. In dieser Atmosphäre ist es praktisch unmöglich, miesepetrige Musik zu machen. Die Bahamas sind immer noch mein liebstes Zuhause.

Ich dachte, Sie sind nach Paris gezogen.

Kravitz: Ich liebe Paris, ich verbringe sehr viel Zeit dort. Paris kommt auf Platz zwei. Ich liebe die Architektur, die Oper, das Ballett. Den Wein. Paris bildet einen wunderbaren Kontrast zum Strand. Ich gehe in Restaurants, shoppe, ich lasse mich treiben. Ich liebe es, mit meinem Motorrad zu fahren, am besten nachts, wenn kein Verkehr mehr ist.

Lenny Kravitz: Black and White America (Roadrunner Records  / Warner).

Von Steffen Rüth

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