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Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys gastierten im Kasseler Opernhaus

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Von: Kirsten Ammermüller

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Die Rhythmus Boys: Karl-Friedrich Mews (von links), Ulrich Meyer und Günter Märtens.
Die Rhythmus Boys: Karl-Friedrich Mews (von links), Ulrich Meyer und Günter Märtens. © Fischer, Andreas

Wenn Sterneköche die Dosen öffnen, kann das sehr unterhaltsam, amüsant und niveauvoll werden. Ulrich Tukur gastierte mit seinen Rhythmus Boy im Kasseler Opernhaus

Kassel – Lag es nun daran, dass das Publikum ausgehungert nach Kultur, guter Unterhaltung und dem einzigartigen Erlebnis eines Live-Konzerts war? Oder an der Tatsache, dass am Sonntagabend die womögliche zeitloseste Boy-Group im Kasseler Opernhaus den Dosenöffner ansetzte und gut konservierte musikalische Kost einer längst vergangenen Zeit zum Besten gab? Mit Sicherheit trafen hier einige Gründe zusammen. Und so spielten Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys vor ausverkauftem Haus ein Konzert, das keine Wünsche offen ließ.

„Rhythmus in Dosen“ heißt das Programm, das nach einer Instrumentalnummer des Tanzorchesters Lutz Templin aus dem Jahr 1942 benannt ist. Nun hat die Dose nicht den besten Ruf. Doch der Schauspieler und Musiker Tukur und seine drei kongenialen Mitstreiter Ulrich Mayer (Gitarre), Günter Märtens (Kontrabass), Karl-Friedrich Mews (Schlagzeug) wärmen nicht einfach nur auf. Sie verstehen sich meisterlich auf das Würzen und Abschmecken mit eigenen Zutaten und kredenzen die Songs als eine abwechslungsreiche Menüabfolge musikalischer Sterneküche.

Wer der Urvater dieser Gourmetküche ist, daran ließ der Tausendsassa keinen Zweifel: Tukur hegt zu Cole Porter eine enge Beziehung, begleitete ihn von Kindsbeinen an – schenkt man seinen fabulösen Ansagen Glauben. Zumindest ist der legendäre US-Musiker Tukurs musikalischer Lehrmeister, wie sich unschwer an dem leichthändigen Klavierspiel als Begleitung der swingenden Stücke ablesen lässt. Der Stil kommt in dem Porter-Song „Anything Goes“, oder dem Tommy-Dorsey-Song „Opus One“, zum Tragen. Irving Berlin hätte ebenfalls seine helle Freude an der schwungvollen Intonation von „Puttin’ On The Ritz“. Überhaupt scheuen Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys nicht vor großen Namen und komplexen Arrangements zurück. Und landet der Kopf der Boygroup in „Between The Devil And The Deep Blue Sea“ mal in der falschen Tonart wird er mit einem charmanten „Gustav“ wieder in die richtige zurückgelotst.

Dass Tukur ebenso mit Leib und Seele Schauspieler ist, beweist er in seinen komplexen Ansagen mit allerhand anekdotischen, möchte-gern biografischen Einsprengseln sowie einer Ansage im Schweizer Dialekt zu Teddy Stauffers Song „Goody Goody“. Wenn er sich im semantischen Dickicht verirrt, erzählt Tukur einfach so lange weiter, bis er zurückfindet.

Nicht minder unterhaltsam sind die Rhythmus Boys – Günter Märtens mit beeindruckenden Fruchtbarkeits-Tanzeinlagen, Ulrich Meyer mit Gel-Frisur und Gitarrensoli à la Jimi Hendrix und Karl-Friedrich Mews als komödiantische Rhythmusmaschine. Besser hätte der Abend nicht sein können: Standing Ovations und zwei Zugaben.

Kopf der musikalischen Gourmetküche: Schauspieler, Musiker und Autor Ulrich Tukur.
Kopf der musikalischen Gourmetküche: Schauspieler, Musiker und Autor Ulrich Tukur. © Andreas Fischer

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