Reinhard Fendrich im Interview: „Die Welt ist traurig“

Früher hat er mit seinen Hits für gute Laune und als Moderator der ARD-Kuppel-Show „Herzblatt“ für romantische Gefühle gesorgt. Dann kam für Reinhard Fendrich der Drogenabsturz. Nun meldet sich der 55-Jährige mit dem Album „Meine Zeit“ zurück. Beim Interview in unserer Redaktion rührt er nicht einmal die Süßigkeiten an.

Herr Fendrich, Ihr neues Album klingt sehr traurig. Sie fragen sich: „Was will ich? Wohin möchte ich? Woher komme ich?“ Stecken Sie in einer Midlife-Crisis?

Reinhard Fendrich: Nein, die hatte ich mit Mitte 30. Nicht ich bin traurig, sondern die Zeit ist es. Wir leben in einer komplizierten Welt, die reflektiert werden muss.

In den 80ern, als Sie große Gute-Laune-Hits hatten wie „Macho Macho“, war auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Fendrich: Aber wir waren damals jung. Wenn du in der Mitte deines Lebens bist, trägst du eine größere Verantwortung und interessierst dich nicht mehr so für die heiteren Themen. Sie sind einfach nicht wichtig genug. Ein Lied wie „Macho Macho“ könnte ich heute nicht mehr schreiben. Aber ich spiele es noch gern bei Auftritten. Ein bisschen Party muss es noch geben.

„Meine Zeit“ ist ein klassisches Liedermacher-Album. Dabei wollten Sie früher lieber Songwriter genannt werden, weil „Liedermacher den Leuten mit einer Klampfe aus der Tageszeitung vorsingen“, wie Sie einmal gesagt haben.

Fendrich: Liedermacher war ein nicht so schönes Wort. Man dachte an Musiker in selbstgestrickten Pullovern. Aber gerade jetzt erleben sie eine Renaissance, was auch an den tollen US-Songwritern wie John Mayer liegt. „Ein Liedermacher“, hat mein verstorbener Freund Georg Danzer gesagt, „muss dort ,Au weh‘ schreien, wo es den anderen weh tut.“ .

In Ihrer Single „Luise“ brechen Sie die Wirtschaftskrise auf ein privates Schicksal herunter. Einem Unternehmer, der in Schwierigkeiten geraten ist, läuft die Frau davon, weil er deren Rechnungen für Gucci und Dior nicht mehr bezahlen kann. Gibt es das Paar wirklich?

Fendrich: Nein, Luise reimt sich einfach auf Krise. Mein Idol waren früher nicht die Stones oder die Beatles, sondern Georg Kreisler, weil er gezeigt hat, dass man die ernsten Themen am besten mit Ironie behandelt. Das mache ich in „Luise“. In der Wirtschaftskrise muss man auf viele Dinge verzichten, die man nie benötigt hat.

Sie wohnen statt in Florida wieder in Wien. Auf welchen Luxus können Sie nicht verzichten?

Fendrich: Ich brauche nicht viel Luxus. Wichtig ist es, ein Haus zu haben, das von den Paparazzi nicht eingesehen werden kann. Und Luxus ist für mich, nichts mehr zu müssen.

Müssen Sie noch an Drogen denken?

Fendrich: Ich muss an sie denken, um von ihnen fern zu bleiben, aber ich brauche sie nicht mehr. Der Druck nach dem Tod meiner Tochter 1989 führte zu einem Haarriss, der sich zu einem Grand Canyon entwickelte. Mit den Drogen bin ich abgestürzt. Dass ich unten nicht aufgeknallt bin, habe ich guten Freunden zu verdanken und Medikamenten.

Der Erfolg ist für viele ebenfalls eine Droge.

Fendrich: Das stimmt, der Erfolg ist eine Streicheleinheit, die man braucht, um weiterzumachen. Aber ich muss nicht mehr in den Charts stehen. Es reicht, wenn ich bei klarem Verstand bin und mein Publikum habe, vor dem ich spielen kann.

In dem Lied „Bussi, Bussi“ spotten Sie über die Schönen und Reichen im Scheinwerferlicht. Könnten Sie noch einmal glücklich sein, wenn Sie Teil der Bussi-Gesellschaft wären?

Fendrich: Nein, das trügerische Hochgefühl von einst ist nicht zu vergleichen mit dem Glücksgefühl, das ich heute verspüre. Ich fand das mal schön und habe mich auch gern feiern lassen, aber jetzt fühle ich mich in dieser Gesellschaft nicht mehr wohl. Nehmen Sie den Begriff Partyluder. Das ist heute fast schon ein Berufsziel. Dabei bezeichnet das Wort eigentlich die Lockspeise des Jägers, also nur ein Stück Fleisch. Das sagt viel aus über diese Gesellschaft.

Sie hätten bald ohnehin keine Zeit mehr für Partys. Ihre Freundin erwartet ein Kind. Sie werden bald wieder nachts aufstehen müssen.

Fendrich: Sie müssen das anders sehen: Ich darf nachts aufstehen. Als meine heute erwachsenen Söhne klein waren, war ich oft unterwegs. Diesen Fehler möchte ich nicht noch einmal machen.

„Meine Zeit“ ist bei Sony erschienen.

Reinhard Fendrich tritt am 20. Mai 2011 beim Vellmarer Sommer im Park auf. Karten unter 0561/8617-893.

Zur Person

Reinhard Fendrich (55)

Geboren: am 27. Februar 1955 in Wien

Ausbildung: Jura- und Psychologie-Studium (abgebrochen), Schauspiel- und Gesangsstudium

Beruf: Sänger und Schauspieler

Größte Hits: „Es lebe der Sport“, „Macho Macho“, „Tango Korrupti“

Privates: Lebt mit der Schauspielerin Ina Nadine Wagler in Wien, seine Söhne aus der geschiedenen Ehe mit seiner Ex-Managerin sind erwachsen

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