Ja, Panik zitieren Pop-Geschichte im Schlachthof

Diese Band reißt noch was rum

Kassel. Für Smudo wäre es kein schöner Freitagabend mit Ja, Panik im Kulturzent-rum Schlachthof geworden. Der Spaß-Rapper von den Fantastischen Vier wunderte sich einst, warum die Musiker von Tocotronic und anderen Bands der Hamburger Schule niemals lachen.

Die fünf jungen Männer von Ja, Panik stammen aus dem österreichischen Burgenland, studierten einige Jahre in Wien und leben nun in Berlin, aber sie würden besser nach Hamburg passen. Ihr Diskursrock klingt ein wenig verkopft. Und dann huschte während ihres 60-minütigen Sets in Kassel nicht das klitzekleinste Lächeln über ihre Gesichter.

Ja, Panik sind keine Gute-Laune-Band und vielleicht gerade deshalb so etwas wie die Band der Stunde. „Wer traut sich jetzt? / Wer reißt hier noch was rum?“, singt Frontmann Andreas Spechtl (25). Die Österreicher trauen sich was, weil sie die Strukturen des Indie-Rock aufbrechen, in denen sich etwa die Vorgruppe Peer bewegt. Ihre Songs leben ebenso vom Piano wie von den Gitarren, hübsche Melodien lassen sie in sich zusammenbrechen, ehe ein Klanginferno auf Chansonhaftes folgt.

Ja, Panik zitieren eifrig und bedienen sich fast überall. Spechtl singt seine Gedankenfetzen mit geschlossenen Augen auf Deutsch, Englisch und Französisch. Das hat fast etwas von seinem Landsmann Christoph Waltz, der als Mehrsprachler der Star in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ ist.

Vielleicht legen Ja, Panik eine ähnlich steile Karriere hin wie der Schauspieler. Dann wäre es am Freitag eine der letzten Möglichkeiten gewesen, das Quintett auf einer kleinen Bühne zu erleben. Es schien, als wüssten das die 160 Besucher. Sie forderten eifrig eine Zugabe, die in einer Feedbackorgie gipfelte. Der Drummer Sebastian Janata fiel samt Schlagzeug um. Dann sangen alle fünf gemeinsam eine Art Folk-Gospel und lachten sogar doch noch einmal ganz kurz. Das war spaßiger als jedes Konzert von den Fantastischen Vier.

Von Matthias Lohr

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